Musikbusiness Revamped #162

27. März 2012

Manchmal muss man einfach nachgeben und über Dinge sprechen, die aktuell sind. Und so haben wir den Plan für die heutige Sendung einfach über Bord geworfen und das Thema Musikbusiness neu aufgerollt mit einigen anderen Facetten als noch in der vergangenen Woche. Du darfst dich auf weitere (hitzige) Diskussionen über das Musiker Dasein sowie das Geld verdienen als solcher in den nächsten knapp 60 Minuten freuen.

Ich wünsche beste Unterhaltung beim Hören!

Musikbusiness Revamped – delamar Podcast #162

Da möchte man meinen, dass das Thema Musikbusiness eigentlich nur ein Randthema für die meisten Musiker und Produzenten sei. Und doch scheint es wesentlich mehr Leute zu interessieren, denn ein persönlicher Rant von „Element of Crime“-Frontmann Sven Regener hat die Runde im Internet gemacht und schafft es am Ende sogar bei uns in den Podcast.

Insofern erwarten dich runde sechzig Minuten mit Diskussionen über den Kampf zwischen GEMA & YouTube, den Wert von Musik, den Vergleich von Internet und CD versus Internet und TV und viele weitere Bereiche rund um das professionelle Musikerdasein.

Wenn Du also wissen möchtest, was das Musikbusiness mit Dampflokomotiven zu tun hat, wie hoch der Anspruch von Sven Regener ist oder was der Unterschied zwischen Musik und Kunst ist, dann schalte jetzt ein und lausche gespannt.

Kommende Woche geht es dann weiter am Montag ab 21 Uhr. Du kannst dich auch dann wieder live hinzuschalten und deine Fragen stellen. So, und jetzt wünsche ich dir beste Unterhaltung beim Hören!

Antworten

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10 Kommentare

bei “Musikbusiness Revamped #162

  1. Dirk Bahl Mrz 28, 2012

    Sehr gute Diskussion, so mag ich das. Ihr habt verschiedene Standpunkte und Meinungen, das macht diese Delamar-Ausgabe sehr wertvoll.

    Nach vielen Unterhaltungen mit Profimusikern und Produzenten ist eins klar geworden: die Wertschätzung für Musik hat sich total verändert. Das hat wahrscheinlich viele Gründe. Vor zwanzig Jahren war Musik nicht ansatzweise so verfügbar wie heute. Angefangen hat es mit dem mitschneiden von Songs aus dem Radio. Im Klartext: man setzte sich oft stundenlang vor den Radiorecorder und wartete fieberhaft darauf, dass der Lieblingssong gespielt wurde, um ihn auf Cassette einzufangen. Das war die Wertschätzung für ein Kulturgut, dass nicht so leicht verfügbar war. Als die CDs aufkamen, blätterte man aufgeregt in den Booklets, um weitere Infos zu bekommen. Das war auch die goldene Zeit der Majorlabels weil sie ihren gesamten Back-Katalog ein zweites Mal verscheuert haben. Auch ich habe mir zum Teil die gleichen Alben, die ich als Platte hatte, nochmal als CD gekauft. Sicher hätten sie es gerne ein drittes Mal getan. Selbst Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) hat mal in einem Interview gesagt, dass auch er zweimal bezahlt hat und den Plattenfirmen kein drittes Mal sein Geld geben wird. Als Apple dann mit iTunes anfing, gab es nicht etwa Goldgräberstimmung bei den Majors, sondern müdes Schulterzucken.

    Wer sich vor zwanzig Jahren ein Rhodes oder eine Bandmaschine gekauft hat, der wollte wirklich Musik machen und hat sich das lange überlegt und gespart. Heute sind die Tools für jedermann billigst verfügbar und wer es will, kann was daraus machen, auch völlig abseits von Gema und Majors. Dabei ist die Landschaft der Tonschaffenden heute auch größer als früher. Ich kenne einige studierte Musiker, die sich die „alten Zeiten“ zurückwünschen und am liebsten per Gesetz verbieten möchten, dass jeder Musik machen und anbieten kann. Ich kenne andere, die richtig hart arbeiten und beständig ihr Fan-Netzwerk erweitern, mit der Zeit gehen und laufend neue Ideen umsetzen, wie z.B. Vorverkäufe für Alben organisieren, um die Produktionskosten herein zu bekommen, ständig Releases und Remixes in Facebook posten, die dann gekauft werden können.

    Ich wundere mich immer wieder, wieviele der Altvorderen nicht mit der Zeit gehen. Es kam oft vor, dass ich mir ein Album eines Künstlers kaufen wollte. Erster Anlaufpunkt iTunes: nichts. Dann also Amazon: aha, als CD per Import aus den USA verfügbar. Dritter Anlaufpunkt: die Website des Künstlers, mit dem Link auf Amazon USA. Dann also bestellt. Drei Wochen später durfte ich die CD dann beim Zoll abholen, das insgesamt rund zwei Stunden Zeit in Anspruch nahm. Womit wir wieder beim Thema Wertschätzung sind. Ich habe das einige Male gemacht, sehe aber mittlerweile nicht mehr ein, warum ich meine Zeit investerien soll, wenn die Künstler ihre Musik nicht vernünftig online stellen.

    Ich selbst begreife die neuen Möglichkeiten als echte Chance für Leute, die früher nicht mal den kleinen Zeh in der Tür gehabt hätten. Was man daraus macht, ist die Frage. Es ist nämlich harte Arbeit, sein Zeugs auch zu verkaufen, geschweige denn, davon leben zu wollen.

    • IrgendeinThomas Mrz 29, 2012

      Auch wenn ich mir immer sage „leben und leben lassen“ sollen Andere halt ihre zusammengestöpselten Loops oder was auch immer an unkreativer Musik im Netz landet, online stellen – ob es dann Anklang findet ist ja wieder eine andere Sache. Aber ich denke das Problem ist das es ohne dieser „Musik“ viel übersichtlicher wäre und es sicher mit ein Grund ist warum viele Musikkonsumenten skeptisch sind wenn es darum geht in x-beliebige unbekannte Musik im Internet reinzuhören (um ihr einfach nur erstmal eine Chance zu geben) Wenn man nach paar Versuchen nur Reinfaller hat wird das doch schnell wieder demotivieren. Zum. bei Musik von Social-Network-Plattformen, da ist es schon in gewissem Sinne etwas Gutes wenn Labels vorsortieren (auch wenn sich darüber streiten läßt nach welchen Kriterien aber zum. tontechnisch denk ich nicht das allerärgste durchgeht) um dem Konsumenten die Orientierung in gewisser Weise etwas zu erleichtern und eine Mindestqualität zu sichern. Aber machen wir uns nichts vor, die meisten Musikkonsumenten sind nicht auf der Suche nach unbekannter Musik im Netz – soweit ich meine Mitmenschen kenne hören die Meisten das was im Radio bzw. Fernsehn läuft. Viele wollen sich die Zeit nicht nehmen auf gut Glück drauflos zu hören und Manchen ist es noch nicht so richtig bewußt das es auch abseits des Mainstreams für jeden Musikgeschmack „Perlen“ geben kann die man aber natürlich erstmal finden muss.
      Ist leider prinzipiell in unserer heutigen Zeit so das alles was man nicht angreifen kann im Regelfall nicht so wertgeschätzt wird wie es sein sollte – nicht nur die Musik sondern auch die Software-Industrie spürt das. Die Arbeitsleistung dahinter wird leider nicht adäquat geschätzt weil es scheint ja alles wie auf Bäumen zu wachsen und es geht leicht (meist auch illegal kostenlos) runterzuladen bzw. ist sowieso kostenlos runterladbar (zB wenn man als neues Musikprojekt zu Werbezwecken erstmal kostenlos anbieten muß) Da scheint dann leider in manchen Köpfen die „kostenlos -> keine hohe Wertigkeit“-Psychologie mitzuspielen. Es denken zum Glück nicht alle so (und hoffentlich werden es von denen mehr) aber leider noch zu Viele.

    • Matthias Mrz 29, 2012

      Finde die Frage, Was ist uns etwas (Musik) eigentlich wert, wenn es rund um die Uhr verfügbar ist, wirklich sehr spannend. Danke für die Anmerkung Dirk….

  2. n4Sphere Mrz 28, 2012

    Wirklich gute Erkenntnisse und Argumente. So ein Podcast unterhaltet mich als Zuhörer absolut, weil dieses Thema so in aller Munde ist und fast niemand wirklich den kompletten Lifestyle-Wechsel berücksichtig. Die Evolution zeigt es prima vor: Die Tiere und Menschen mussten sich anpassen um zu überleben und dies kann man auf die ganze Musikdebatte ruhig übertragen. Die Zeiten ändern sich und in dieser schnelllebigen Zeit hat man genügend andere Probleme die man eher hinterfragen sollte. Die großen und kleinen Musikmacher sollten aus der Not eine Tugend machen und ihre Kreativität spielen lassen. Dann klappt’s auch mit dem Erfolg :)

    greetz

  3. Strubi3 Mrz 29, 2012

    Mich würde interessieren wie viel ein Künstler wirklich durch den Verkauf eines Songs bei z.B. iTunes verdient. Den Konsumenten kostet es 99 Cent, davon gehen gebühren an Apple und die Plattenfirma. ich vermute mal es handelt sich um den Grossteil der 99 Cent.
    Die GEMA verlang für eine Stream (mit hoher Interaktivität) bei Streamingdiensten eine Gebühr 0,48 Cent pro Stream. Ich benutze seit fast 8 Jahren unter andrem iTunes um Musik zuhören. Viele der Songs die mir wirklich gut gefallen habe ich in den 8 Jahren mit iTunes über 300 mal gehört. Hätte ich dafür einen Streamingdienst verwendet, hätten die Künstler an mir für so einen Song über 1,44 Euro verdient und der Betrag würde weiter ansteigen. Wenn ich mir meine Wiedergabezahlen in iTunes anschaue, hätten viele Künstler mehr Gewinn an mir durch Streamingdieste gemacht als durch das was ich für die Musik tatsächlich ausgeben habe, es dauert halt nur seine Zeit. Es gibt allerdings auch Künstler von den ich die CD gekauft habe und nur einmal gehört habe, für die währe es Natürlich ein grosser Verlust. Die Qualität der Songs würde für den langfristigen Gewinn den Ausschlag geben.

    Durch Dienste wie Spotify gehen vermutlich die Verkaufszahlen runter und die Plattenfirmen machen Verlust. Allerdings werden auch die Illegalen Downloads geringer und Künstler können auch Geld durch Leute verdienen die nie für diese Bezahlt hätten.

    Ich sehe für mich ein Problem am Musikbuiness das Songs nicht Global angeboten werden. Den Grund dafür habe ich noch nicht verstanden. Durch Internet habe ich schon oft Musik entdeckt die mir gefällt. Im Deutschen iTunes Store wird sie nicht angeboten, im US iTunes Store allerdings schon. Über Amazon kann man sie teilweise als Import erwerben, allerdings dann auch mit einem erhöhten Preis. Ich kann verstehen das man nicht extra fürs Ausland CD presst, aber warum können die Songs nicht als Download über z.B. Amazon oder iTunes in Deutschland angeboten werden?

    Bei Spotify hat man leider auch das Problem das viele Songs einfach nicht in Deutschland angeboten werden. Als ich Spotify installiert habe tauchten Songs, die mich interessierten, noch auf. Sie waren allerdings grau markiert und wenn man sie anklickte, stand dort dieser Song ist nicht in Deutschland verfügbar. Mittlerweile Tauchen die Songs nicht mehr auf. Man findet jetzt nur noch ein Albumcover beim Interpreten, wenn ein Song von diesem in irgend einem Compilation auftauchte.
    Ich habe dieses Jahr bisher 9 CDs gekauft, teilweise musste ich sie Importieren. 6 davon findet man nicht in Spotify.
    Wenn Künstler ihre Musik Global anbieten könnten sie sicher zusätzlich noch kleinen Gewinn an Leuten verdienen die nicht auf die Konzerte gehen können.

  4. Dirk Bahl Mrz 30, 2012

    @IrgeneinThomas: Ich gebe dir recht, dass die Labels als Vorkoster Sinn machen. Vielleicht müssen sie ihre Arbeit noch mehr der neuen Medienlandschaft anpassen.

    Viele Bekannte berichten mir, dass sie neue Musik in iTunes über die Funktion „Hörer kauften auch“ gefunden haben. In Spotify werden viele auf die Playlisten und Vorschläge anderer User (künftige Labels?) zugreifen. Teilweise lässt sich sowas über Tags, Metadaten und dergleichen automatisieren, teilweise gibt es die sozialen Funktionen (Bekannte, Groups, etc. empfehlen in Facebook & Co. ihre Musik) und es gibt die redaktionelle Arbeit von Teams, die Musik sortieren, werten und vorschlagen.

    Möglicherweise ist das die Zukunft der Labels, denn wer weiß, wo wir in zehn Jahren stehen. Vielleicht gibt es dann die Kulturflatrate, ein abgeändertes Urheberrecht, die Plays werden über einen weltweiten Service (ev. heißt der dann „WMBS“ – World Music Billing Service) so abgerechnet, wie sie auch wirklich gespielt werden und nicht nach einem komplizierten Schlüssel, den keiner versteht.

    Das die Hauptkäuferschicht eine redaktionelle Vorbewertung braucht, damit sie wissen, was sie gut finden können, wird natürlich so bleiben.

  5. Ben Blutzukker Apr 3, 2012

    Maria: Super Podcast! ;-)

  6. Stadler Mai 10, 2012

    Eure Sendung hat mit der kontrovers geführten Diskussion die Orientierungslosigkeit der Branche aufgrund des schnellen und z. T. verschlafenen Wandels verdeutlicht. Man muss in dieser Diskussion generell schon sehr genau hinhören, den ein oder anderen Aspekt mal aufschreiben und darüber nachdenken: auch über Art, Inhalt und Ton von Regeners Kritik sowie die Reaktionen. Und man darf sich selbst gerne die Frage stellen, wie die Diskussion verlaufen wäre, wenn Lady Gaga die Kritik geäußert hätte?

    Aus meiner persönlichen Sicht geht es auch nicht um das Urheberrecht: Ja, der Gesetzgeber muss die neuen Medien einbeziehen. Ja, in einer globalisierten Welt machen global abgestimmte Regeln Sinn. Aber wie auch immer das Urheberrecht zukünftig ausgestaltet sein wird: Illegale Downloads werden dadurch nicht verhindert werden. Regener hat Recht, wenn er die Gesellschaft – also uns Alle – anspricht und zum Ausdruck bringt, dass unser Wertesystem in dem Moment in sich zusammen fällt, wo unser Unrechtsbewusstsein versagt, wenn wir illegal Musik downloaden. Es ist ein Fakt, dass dies massenhaft der Fall ist, daher auch quer durch alle Bevölkerungsschichten gehen muss und nicht nur in bestimmten Altersgruppen praktiziert wird. Wie sehr das Unrechtbewusstsein abhanden gekommen ist, zeigt der offene Umgang: Die Leute finden es cool und halten sich für schlau, wenn sie illegal Musik downloaden und auch noch verbreiten. Und so etwas erlebt man sogar bei Musikern, die selbst darauf hoffen, die eigene Musik verkaufen zu können.

    Regener hat auch Recht, wenn er erwartet, dass YouTube für die Streams zahlt: Seine Argumentation ist die, dass ohne den Stream das Geschäftsmodell von YouTube, nämlich der Verkauf von Werbung, nicht funktionieren würde. YouTube profitiert somit von dem Content, den andere mit harter Arbeit und unter Einsatz finanzieller Ressourcen erstellen. Leute, die diese Ausbeutung mit dem Hinweis, dass man dafür YouTube dankbar sein müsse, legitimieren, sind entweder persönlich die Nutznießer dieser Ausbeutung oder so verzweifelt, dass sie ihre Musik verschenken müssen, damit wenigstens einer diese hört. Und auch dies ist ein gesellschaftliches Problem: Wir entwerten professionelle Arbeit, indem wir sie mithilfe der Kostenloskultur auf eine Stufe mit privaten Hobbyarbeiten stellen.

    Eine der wesentlichen Fragen ist die, wie man mit dem Wertewandel umgehen kann? Der digitale Download jedenfalls ist, das muss man ganz klar sagen, kein gutes Substitut für illegale Downloads. Der Dongle ist der Mehrwert, den man mit Live-Konzerten – also dem Erlebnis – sowie dem Verkauf von CDs und Merchandising-Artikeln (physisch) zu schaffen versucht. Der überwiegende Teil der aktuell angesagten Musiker stimmt darin überein, dass die Auftritte und Verkäufe mittlerweile etwa 50:50 zum Umsatz beitragen. Die zentrale Frage wird jedoch sein, wie lange dies noch der Fall sein wird und welche neuen Probleme durch diese neue Spielart auf die Musiker zukommen werden?

    Jedenfalls sind mittlerweile die Gesamtumsätze der Konzertveranstalter etwa doppelt so hoch wie die der Plattenlabels, d. h., hier wird in den kommenden Jahren eine Professionalisierung stattfinden. War früher die Plattenfirma das Nadelöhr, wird es zukünftig der Konzertveranstalter sein. Was sich aus heutiger Sicht wie die Lösung des Problems – der Musiker kehrt zum Ursprung zurück und spielt wieder live – anfühlt, wird sich in wenigen Jahren als ein weitgehend funktionsuntüchtiges Modell herausstellen. Was bislang fehlt, sind nach wie vor der Weitblick und die Zukunftsvision.

    Dass dem so ist, zeigt die gnadenlose Orientierung der Musikschaffenden am hier und jetzt: Für zahlreiche Musiker, auch solche die es heute noch in die Charts schaffen, reicht das Geld gerade so zum Leben. Rückstellungen für schlechte Zeiten (z. B. Krankheiten, Rente, usw.) sind kaum nicht drin. Oftmals werden Nebenjobs und auch Tätigkeiten in anderen Musikbereichen (z. B. Werbung, Filmmusik, Produktion) benötigt, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Bisher lukrativ bezahlte Jobs verlieren somit durch den Zustrom an Musikern an Wert. Dies gilt umso mehr, als dass die derzeit angesagten Acts die Live-Spielerei nur noch als Übergangsstation sehen, ohne jedoch Alternative parat zu haben. Alle sind einigermaßen orientierungslos und mutieren zu Lebenskünstler, zumal sie sich jetzt um viele Dinge selbst kümmern müssen, die mit Musik und Talent überhaupt nichts zu tun haben. Die wesentliche Frage lautet: Wie verändert sich die Musik qualitativ, wenn Musiker jeden Tag um ihre Existenz fürchten müssen bzw. keine Zukunftsperspektive haben?

    Man kann diese Entwicklung bedauern oder das Beste daraus machen. Die Frage wird sein, bis zu welcher Schmerzgrenze das Beste überhaupt noch erstrebenswert ist? Es ist leicht in einer Diskussion gesagt, dass Musiker eben mehr Konzerte spielen müssen. Dies gilt umso mehr, solange man selbst im bequemen Stuhl sitzt und nicht mit 50 immer noch regelmäßig touren muss, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Ich denke jedenfalls, dass der gesellschaftliche Wandel und der der Musikindustrie einen neuen Künstlertypus hervorbringen wird: Musiker, die primär aus Spaß für eine bestimmte Zeit in Erscheinung treten werden. In dieser Zeit werden sie einige unbeschwerte Liedchen trällern, ihren anspruchslosen Lebensunterhalt verdienen und danach entweder verschwinden oder als Hobbymusiker auf professionellem Niveau, eigenfinanziert hin und wieder etwas von sich hören lassen. Vom Aussterben hingegen bedroht ist die Spezies jener Künstler, die uns mit ihrer Musik durch das Leben begleiten und uns zahlreiche glückliche Momente schenken, an die wir uns unser ganzes Leben erinnern können. Um es mit Nietzsche zu sagen: Der Musik-Star ist tot!

  7. Joe_CGN Jul 22, 2012

    Ich habe da leider eine andere Meinung als Maria im Podcast: Es gibt mehr als genug Menschen, die sich die youtube-videos als MP3 rippen und mit einer unterdurchschnittlichen Klangqualität (ähnlich einer schlechten Kassettenrecorderaufnahme früher) zufrieden geben. Zudem ist eben der „on demand“ – Faktor ein wichtiger Aspekt, da man durch youtube und spotify mittlerweile doch beinahe das Gefühl hat, eine Festplatte mit einer Million Songs für Lau zu besitzen und gar kein geld mehr für Musik ausgeben zu MÜSSEN.
    Ob ein Künstler nun seine Songs bei der GEMA pushen möchte oder nicht spielt für die Komponisten eigentlich keine Rolle, da eine Verbindung von Werbung und Musik eigentlich ganz strikt im Urheberrecht geregelt ist. Und da youtube mit ihrem Portal Geld verdient ist eine angemessene Beteiligung soch wirklich nicht zuviel verlangt (im eigentlichen Sinne des Urheberrechts ist die unerlaubte Verbindung von Musik und Werbung sogar rechtswidrig).

    Herr Regner hat meiner Ansicht nach vollkommen Recht, dass der Hörer / Viewer es in den Händen hat und dieselben Videos auch bei Portalen schauen kann, die eben fair(er)e Konditionen akzeptieren.

    Ein sehr guter Ansatz zur Lösung war das Video „Himmel auf“ von Silbermond, in dem lediglich der Refrain, jedoch nicht die Strophen zu hören waren / sind.

  8. Joe_CGN Jul 22, 2012

    Was das Thema „Musiker müssen ihr Geld wieder live verdienen“ betrifft, so vergleiche ich das gerne mit einem Buchautoren, dem man sagt, dass er den Absatzverlust seiner Werke nun mit Lesungen einspielen muss oder mit einem Drehbuchautoren, der nun statt Filme Theaterstücke schreiben soll.

    Es gab schon immer Acts die eher im Studio oder eher live zu Hause waren. Yello und die Pet Shop Boys z.B. haben kaum Konzerte gegeben, wohingegen sich ein Springsteen alle paar Jahre für über 100 Shows pro Tour über 3 Stunden auf die Bühne stellt. Den erstgenannten aber abzusprechen, Musiker zu sein oder ihnen den monetären Wert ihrer Musik abzusprechen halte ich für fatal.

    Es ist auch eine Formatfrage: Ein Buch konsumiert die große Mehrheit bis heute trotz ipad NOCH in einem uralten Format, das schwer bzw. nur mit viel Aufwand zu kopieren / zu scannen ist und dann kein schönes Ergebnis liefert.

    Aus Sicht der Labels müsste man analog dazu wieder den Schritt zurück zum Vinyl oder zum Tape gehen, um ein kopierunfreundlicheres Format zu haben, das beim Kopieren bereits Qualitätseinbußen mit sich bringt und parallel dazu sämtliche Internetaktivitäten stoppen.

    Da bei den Labels jedoch Quartalsabschlüsse mehr zählen, als ein langfristiges Handeln mit dem Risiko gewaltiger Umsatzeinbußen am Beginn dieser Veränderung, hat niemand den Mut diesen Schritt zu wagen.

    Eine Alternative dazu wäre, dass bloß noch Musik mit einem digitalen Fingerabdruck pro Datei durch die Provider gescannt up- bzw. downloadbar ist, wobei der user per namentlich registriertem Code nachweisen muss, dass er die Berechtigung hat, dieses Musikstück zu verbreiten bzw. zu laden. Doch das wird aus datenschutzrechtlichen Gründen niemals der Fall sein.

    Am Ende entscheidet die Masse der Konsumenten wie es weitergehen wird.

    Zum Staunen bringen mich lediglich die Argumente kleinerer Bands: Ich möchte denjenigen sehen, der den einen großen Wurf landet und dann immer noch gleich argumentiert, wenn er bemerkt, dass ihm 50.000 Euro durch die Lappen gehen, weil er hier nicht an Werbeeinnahmen beteiligt wird und dort nur einen Bruchteil an Royalties bekommt… Auf mich hat das immer den faden Beigschmack des Neids derer, die sich damit abgefunden haben, es nie zu schaffen.

© delamar.FM