Ist Kemper-Spielen Diebstahl? – DG121

7. Mai 2016

Ist es Diebstahl von geistigem Eigentum, einen Kemper-Amp zu spielen? Die »klanglichen Fingerabdrücke«, die ein Kemper Profiling Amplifier von einem echten Verstärker macht, sind im Netz kostenlos herunterzuladen oder zu erwerben, ohne dass die Hersteller des betreffenden Amps einen Heller bekommt. Was folgt daraus?

delamar Guitar #121 – Ist Kemper-Spielen Diebstahl?

Angenommen, dass Kemper weiterhin so erfolgreich ist oder gar noch zulegen kann, stellt sich die Frage, ob Hersteller echter Amps auf lange Sicht überleben können. Und wie wird die Welt für Gitarristen und Bassisten aussehen, wenn es irgendwann nur noch Verstärkerprofile gibt?

Das sind (überspitzt formulierte) Fragen, die im Zuge der technischen Fortentwicklung an immer neuen Stellen auftauchen. Werden Marshall, Vox, Fender & Co. um ihr geistiges Eigentum gebracht? Sollten die Profilersteller Lizenzgebühren an diese Firmen abdrücken müssen?

Das und mehr diskutieren wir in dieser Folge von delamar Guitar, dem Podcast zur Gitarre und ihren Saitensprüngen. Wie immer freuen wir uns sehr über dein Feedback zum Thema!

Hier ist der Stein des Anstoßes:

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7 Kommentare

bei “Ist Kemper-Spielen Diebstahl? – DG121

  1. Würde man geistiges Eigentum an einem Sound anerkennen hätten meiner Meinung nach die Studios ebenso ein Problem wie der KPA. Einen Amp einmal kaufen und dessen Sound dann auf vielen in diesem Studio aufgenommenen Titel einzusetzen müsste ja dann auch Lizenzgebühren nach sich ziehen.

  2. Andreas Thielemann Mai 9, 2016

    Ich denke die Grundidee des Kemper war, sich aus bestehendem Equipment und mit einer bestimmten Signalkette genau den Sound nachzubilden, welchen man bei einer Live-Performance gern hören würde. Einerseits kann man somit viel flexibler mit verschiedenen Amp-Sounds arbeiten, was man nicht unbedingt macht wenn man dafür alle Geräte mitschleppen muss, andererseits ist es auch eine Form der Werterhaltung und des Schutzes, wenn man seinen Uralt-Edel-Amp nicht unbedingt den gefahren des Bühnenalltags aussetzen will.
    Die Idee sich im Netz verschiedene Profile zu holen oder zu kaufen ist denk ich als positiver Nebeneffekt dabei herausgekommen.
    Wenn man bei der Frage nach dem Eigentum eines bestimmten Sounds erst bei dem Kemper anfängt ist es denk ich schon etwas zu spät, wie ihr auch schon angesprochen habt, weil die legendären Sounds werden in verschiedensten Formen schon immer versucht zu kopieren. Womit für mich die Vermutung nahe liegt, dass es genug Gitarristen gibt, die sich dann aufgrund dessen, doch noch das Original zulegen oder eine Neuauflage des Herstellers, da es viele der Amps schon gar nicht mehr oder nur noch selten zu kaufen gibt.

  3. Provokations-Modus an:
    … Kopierer, Scanner, Fotoapparat, Videokamera, …?

    Haben die Hersteller bei den vielen schlechten Profilen, Modeling-Presets eigentlich auch die Möglichkeit vorzugehen? Schließlich ist ist es auch kein gutes Zeugnis für die Amp-Industrie, wenn die eigenen Modell nicht gut simuliert sind!

    Bedient sich der Youtuber vielleicht am geistigen Eigentum/Idee der GEMA, das geistige Eigentum zu schützen?

    Ist es ethisch vertretbar, sich gemütlich mit einer Tasse Kaffee in einen Sessel zu setzen und provokante Thesen zu veröffentlichen, so dass sich zwei Fronten bilden?
    Provokations-Modus aus:

  4. Interessant, dass die Gitarristengemeinde nun ein Thema entdeckt, das in anderen Bereichen seit Jahrzehnten schon durch ist ;-)

    Ein Klang hat keine Schöpfungshöhe, insofern rechtlich völlig legal (wo ein Klang endet und ein Lied beginnt beschäftigt jedoch vor allem im Hiphop-Bereich regelmäßig die Gerichte).

    Anders ist es jedoch mit einem daraus erstellen „Patch“, wie z.B. ein Synthesizerpreset oder auch beim Kemper. Hier zieht wieder das Urheberrecht. Bietet also ein Hersteller eine Klangbibliothek an kann ich sie nicht einfach kopieren.

    Beim Verwendung von Namen wie Marshall oder Fender muss natürlich das Markenrecht beachtet werden. D.h. wenn man für sein Plugin oder Modell den Namen einsetzen will braucht man eine Vereinbarung mit der Firma. Zur Frage warum diese eingesessenen Hersteller keine eigenen Plugins anbieten kann man 2 Gründe anführen: 1. Es lässt sich auch ganz gut von Lizenzen an andere Firmen leben. 2. Gerade Tradionsfirmen sind unheimlich träge bei der Adaption neuer Technologien.

    Dass sich bei neuen Technologien Märkte verschieben bzw. neue entstehen ist völlig normal. Es werden auch noch Klaviere gebaut obwohl es seit Jahrzehnten E-Pianos und Sample-Libraries gibt.

    Am Ende noch der Hinweis, dass ich auch kein Anwalt bin, also stellt dieser Text keine Rechtsberatung dar :-)

    • Henry Kresse Mai 10, 2016

      Hallo Jürgen.

      Du bist da nicht auf dem neuesten Stand. Sounds kann man sehr wohl rechtlich Schützen lassen. Es existieren Patente für den MGM Löwen, die NBC Chimes und ein paar andere. Harley Davidson versucht schon seit Jahren das Motorgeblubber zu patentieren, was bis jetzt noch die Gerichte beschäftigt. Und wenn das durchkommt wirds interessant. Dann kommts nämlich drauf an, ob das Patent dann weltweit gilt.
      Warten wir es mal ab.

      Gruss
      Henry

  5. Hallo Henry!

    Danke für deinen Hinweis. Bei deinen Beispielen sind wir aber wieder im Markenrecht.
    S. z.B. http://www.kbm-legal.com/rechtsberatung/markenrecht/marken.html im Abschnitt „Hörmarke“.
    Für den Klang eines Marshalls oder Bösendorfers wäre das nicht möglich.

    Viele Grüße!

  6. Patrick P Mai 12, 2016

    Hi,
    naja, ich denke der Kemper ist in erster Linie dazu gemacht, sein Setup ohne viel Aufwand auf die Bühne zu bringen. In der Guitar hab ich schon oft von Bands gelesen, dass die Kemper spielen um den Sound vom Studio einfach dabei zu haben. Handlich und im endeffekt spielen die eh alle mittlerweile IN-Ear, also in sofern kein Problem.
    Das Problem sehe ich bei Leuten, die sich wirklich einen Amp bestellen, profilen und dann wieder zurückschicken… das ist echt krass.
    Ein wenig kommt es mir so vor wie bei den CD Brennern damals. Man hat so ein Ding und darf dann angeblich nur seine Daten und eigene Musik sichern… auch der Versuch mit CDs mit Gema-Gebühr drauf war ja eher nix. Bis man sich dann auf privatkopien und irgendwie 7 kopien im Freundeskreis (????) geeinigt hat…. egal.
    Ich denke, dass die Diskussion erst jetzt aufkommt, weil wer will denn einen Programmierer bei LIne6 oder so verklagen, der sich da Nächste um die Ohren haut um seinen Code möglichst nach M oder F oder was auch immer klingen zu lassen…( machen ja auch alle Gitarren Hersteller, die einfach die bessere Fender oder Gibson oder sonstwas bauen wollen….) im Endeffekt ist es ja erst jetzt mit dem Kemper so, dass man wirklich ein Abbild machen kann, das war vorher wohl noch nicht möglich….

    Gruß Patrick P

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