Ist ein Album überhaupt noch zeitgemäß? Können es sich junge, eher unbekannte Acts überhaupt noch leisten, ein solches Wagnis einzugehen? Diese Fragen beantworten wir heute im delamar Podcast für dich. In kleiner Runde wägen wir ab, ob und inwiefern es sich lohnt, sein Herzblut in ein Großprojekt zu gießen – meist ja ohne Plattenvertrag.

Podcast #360 – Was bringt ein Album heute noch?

Früher hat man mit der Veröffentlichung eines Albums noch vergleichsweise viel Geld verdient und ging auf Tour, um das Album zu promoten. Heute ist es eher umgekehrt. Viele betagte Bands zehren noch von ihrer Popularität vergangener Jahrzehnte und machen nur noch Best-Ofs, während andere noch den Drive haben, neue künstlerische Wege zu beschreiten.

Im zweiten Teil der Sendung geht es darum, ob es sich für JUNGE Acts lohnt, ein Album zu produzieren. Also mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für dich und deine Mitstreiter, lieber delamari. Höre, warum neue Bands keine Alben, sondern eher EPs und Singles veröffentlichen sollten … oder eben doch.

Antworten

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10 Kommentare

bei “Was bringt es, heute noch ein Album zu veröffentlichen? #360

  1. Das mit dem ADHS ist schon irgendwo richtig.

    EIN eingebettetes YT-Video hört man sich schneller mal an, als durch irgendeine eingebettete Spotify-Album-Playlist mit XX Songs zu klicken.

    Aber muss man wirklich ständig neue Songs präsentieren um NICHT in Vergessenheit zu geraten?

    Mir geht das eher umgekehrt: Ich folge bei Facebook diversen Künstlern weil ich durch irgendein geiles Lied von ihnen auf sie aufmerksam geworden bin.

    Meistens posten die dann aber nur noch Nonsense und aller gefühlter 3 Wochen einen neuen (mittelmäßigen) Song.

    Da doch dann lieber Qualität statt Quantität!

    • Stefan (ein anderer) Jul 18, 2016

      Dass man auf Facebook in einer Tour nur noch sinnloser Mist gepostet wird, ist ja dem Facebook Algorithmus ansich geschuldet. Wird weniger gepostet, sinkt die Reichweite insgesamt und es werden auch die relevanten Posts nicht mehr sichtbar.
      In meinen Augen eine der schlimmsten Untaten der Neuzeit, die maßgeblich zur Überflutung im Social Media Schuld ist.

  2. Timo Jan Knoll Jul 15, 2016

    Tja liebes, Rap Platten sind in den Chart´s so Erfolgreich wie selten zuvor. Da kann kaum ein anderer mithalten. Ok – es gibt ja auch noch eine Helene Fischer und so. Aber sonst. Geht steil . . .

  3. Stefan Jul 17, 2016

    Hallo. Ivh fands schade das Mathias bei dem Thema nicht dabei war. Im Grunde genommen ein sehr spannendes Thema, was mich gerade im Moment persönlich berührt. Ich hab jetzt seit 15 Jahren (!!!) Kein Album mehr gemacht. Anfangs dachte ich: wegen Studium und wenig Zeit. Nach meinem Studium ab ich allerdings irgendwie genau das gespürt, was ihr im Podcast bequatscht: ich hatte keine „guten Ideen“ mehr für neue Songs. Ich komme aus der Punkecke und hab dann später politisch motivierten Hiphop gemacht. Ich glezbe das Ptoblem ist, mit welcher Motivation man Musik macht und da geht ja auch eure Diskussion im Podcast drüber. Ein wichtiges Motiv lasst ihr aber weitestgehen aus (also Maria bringts nur so rudimentär ein, wenn sie vom künstlerichrn Anspruch redet): man muss eine Message haben, wenn man was zu sagen haben will. Gute, ich sag mal „echte“ Kunst braucht eine Aussage um den Fans eine Lebensgefühl zu vermitteln. Früher habe ich die Wut auf das System nich selbst gespürt, auch die Trauer über unglückliche Beziehung, Streit mit Eltern, etc. Meine Texte waren einfach viel mehr aufn Punkt, auch die Musik, Betonung, etc. waren viel klarer. Es war alles so real, so authentisch. Das fand ich nach dem Studium, mit gutem Job und mittlerweile in glücklicher Ehe echt schwer. Klar, unser System hat sich nicht geändert und (ich arbeite viel mit jungen Menschen) die Scheisse von früher ist in anderem Gewand auch noch die Scheisse von heute. Aber es ist viel weniger „meine“ Scheisse. Das macht es mir schwer, meine Message zu transportieren.

    Trotzdem hab ich im Prinzip immer noch die gleiche Grundeinstellung wie früher. Ich finde viele Dinge unserer Gesellschaft, hmm ja, sagen wir mal ausbaufähig. Witzigerweise betreffen mich zwar die Dinge heutzutage iftmals viel direkter (Ärger mit Ämtern, Firmen, Produkten, etc.) aber der „allgemeine Blick“ ist oftmals besser um eben viele Fans auch anzusprechen. Es interessiert keinen, ob ich nen Zivilprorozess führe oder Auseinandersetzungen mit Firma xy habe (mal davon abgesehen dass ich darüber auch keine Texte schreiben würde, um die Firma nicht zu diskreditieren). Auch gehe ich heute solche Auseinandersetzungen aktiv an. Ich jammer nicht, ich klage, so zusagen (wobei uch jetzt nicht so ein klagefreudiger Mensch bin, wie es jetzt klingen mag, aber ich wehre mich halt heutzutage anders als durch die Methode „na schreiben wir mal n Song drüber“. Das macht im Leben sinn, aber die Kunst bleibt da halt auf der Strecke.

    Ich hab jetzt, durch viele Gespräche mit meinen Jungs und Mädels, die ich betreue, geschafft, mal wieder ein paar wirklich gute Tracks zu schreiben. Das ging aber erst und nur dadurch, dass uch im Moment einige dabei habe, die mich sehr mögen und dadurch an teils recht persönlichen, intimen Gedanken teilhaben lassen und ich die halt auch mag und mich da wieder in die Zeit „von früher“ reinversetzen kann. Ich verstehe die Bedeutsamkeit wieder besser.

    Insofern will ich nun im Herbst auch nochmal endlich ein Konzeptalbum rausbringen, eine Mischung von Punk (Deutschrock)-Stücken und Hiphop-Tracks. Ob es sich verkauft ist mir dabei egal ich muss es einfach raustun. Wenn ich auch nicht die Stimme der Generation damit sein werde, ich bin die Stimme einiger Menschen, eben meiner Fans. Dieses Gefühl hatte ich zuletzt wie gesagt vor über 15 Jahren und ich finde, in genau diesem Gefühl ist aus meiner Sicht die beste Motivation zum Musikmachen. Ob dann ein Album, eine Show, ein Musical, whatever daraus entsteht, ist nur Formsache. Die Message ist das Wesentliche. grüsse, stefan

  4. Stefan (ein anderer) Jul 18, 2016

    Hallo Carlos und Maria,

    vielen Dank für diese sehr interessante Podcast Episode. Aus meiner Sicht eines Club DJs für elektronische Musik (also nicht unbedingt der klassische Konsument) versuche ich mal meinen Standpunkt nahe zu legen.
    Früher hat sich der DJ die Vinyl gekauft, weil es das einzig gängige Medium für den Diskjockey war. In der elektronischen Musikszene wurden schon immer deutlich mehr EPs als LPs produziert und diese auch ausschließlich auf Vinyl, die MP3 und Laptop Welle kam erst Jahre später.
    Damals fand ich es eher öde wenn ein Künstler ein Album herausgebracht hat. Während die gängige EP 2-5 Tracks hatte und maximal 8-9€ gekostet hat, wurden für Alben auf Doppel LP dann logischerweise das Doppelte fällig. Im schlechtesten Fall gefiel einem nur 1 Song im Album, dann musste man die Entscheidung fällen ob es dieser eine Song Wert war die Kohle für das ganze Album rauszuhauen.
    Vielleicht war das auch ein Aspekt warum in dieser Szene nicht oft Alben gemacht wurden. Vielleicht aber auch weil House & Techno nicht unbedingt die bereits angesprochene Message brauchen, die es Wert wäre ein Album zu machen.
    Heute schaut das ganze natürlich ganz anders aus, man kauft sich nur noch die Songs, die einem gefallen und der Rest verschwindet in der Bedeutungslosigkeit. Aber grade heute, wo leider viel mehr Masse statt Klasse produziert wird, wünschte ich mir dass sich die Künstler viel mehr Gedanken um ihre Musik machen und mal über den Tellerrand produzieren. Auch heute gibt es noch Alben im elektronischen Sektor, jedoch sind diese häufig nur noch eine Aneinanderreihung xbeliebiger Tracks. Und die Aussage des Gesamtwerkes als Album fehlt völlig. Mag aber vielleicht auch mein fortgeschrittenes Alter sein, dass ich die Musik nicht mehr nur rein für den Dancefloor kaufe, sondern mich mehr damit befasse.

    Aus meiner Konsumentensicht:
    Der angesprochene Punkt des ADHS finde ich jedoch auch interessant und nicht von der Hand zu weisen. Was ist denn die Musik, die heute über Spotify oder Youtube auf einen herein rieselt, denn überhaupt noch Wert gehört zu werden? Oder doch nur lieber die Hits im Loop anstatt mal das ganze Album?

    Ist mir ein Album Wert dass ich es auf Datenträger kaufe, dann nehme ich mir auch die Zeit um es genauer und öfter zu hören. Aber wie oft kommt das noch vor? Wer kauft sich heute noch Musik auf einem Medium? Niemand aus dem Bekanntenkreis.
    Wer läd sich heute denn noch illegal Musik herunter um zumindest sagen zu können dass man das Musikstück zuhause hat? Dank Streaming und und ständiger Verfügbarkeit verliert die Musik noch mehr ihre Wertschätzung und verkommt zum Hintergrundsound im Supermarkt, maximal noch um es jemand anderem mal eben auf dem Smartphone in der Youtube App zu zeigen.
    Schade…

  5. Steve Anthems Jul 19, 2016

    Liebstes Podcäst Team,

    schade, dass bald zappen ist. Es wurde viel gesagt und ich habe viel gelernt. Nochmals danke dafür, das war wirklich, wirklich extrem hilfreich! Ja, sicher war manches auch redundant, was ich aber nur seltenst als störend empfunden habe. 1/3 aller Pods habe ich nun ca. durch seit 6 Monaten. Habt ihr mal überlegt den Pod unregelmäßig zu wichtigen neu aufkeimenden Themen bzw. mit entspr. Gästen weiterzuführen? Mich würd´s jedenfalls freuen.

    Falls noch nicht abgehandelt – hier wäre noch ein Themenvorschlag:

    Seit einiger Zeit sind Systeme auf dem Markt, die mittels Mikro, Messungen und Anpasssungen per Plugin die Abhörsituation im Seetspot des individuellen Raums entzerren (sollen). Welche (vergleichenden) Erfahrungen gibt es damit? Was können solche Pakete leisten und wo liegen die Grenzen? Für welche Räume (Wohnzimmer, Projektstudio, bereits durch „Baumaßnahmen“ optimierte professionelle Studioräume) sind sie von welchem Nutzen? Eine Diskussion vor dem Hintergrund was sich „lohnt“ / „bauliche“ Maßnahmen (Absorber, Diffusoren, Bass-Traps, Dämmmaßnahmen) fände ich sehr spannend. Mixt man nach Optimierung besser? Was ist, wenn ich mich vom Sweetspot wegbewege? Ist der Sound dort schlechter als ohne „Optimierung“?

    Zu meiner Situation: Mein Projektstudio befindet sich im Wohnzimmer, weswegen krasse bauliche Maßnahmen schlecht möglich sind. Konkrete Frage, da meine Abhöre sehr klein ist, damit meine ich sowohl dei Membrangröße 5″ des Paars Adam F5 als auch das Stereodreiceck mit Kantenlänge von nur 90cm. Ich empfinde, dass ich aufgrund des geringen Abstands Ohr-Boxen so viel Nahfeldschall im vgl. zum Diffusschall bekomme, dass ich mir ohnehin weniger Sorgen um Absorption, Reflexion, Raumanteil… machen müsste als woanders. Seht ihr das auch so? Ich stehe übrigens beim Arbeiten/Abhören & die Boxen sind an Wandhalterungen montiert (ich weiß, dass das nicht optimal ist, aber so ist es nunmal auch trotz kleiner Wohnung überhaupt möglich).

    Ciao und ich sag mal weiter so!!!

    Stefan

  6. Hey! Ich denke und plane heutzutage nur noch in EPs und Singles. Ich möchte Musik machen und diese auch auf die Leute loslassen. 1 bis 5 Songs habe ich halt schneller zusammen als 8 bis 15. Und da ich heutzutage keine physischen Tonträger pressen muss ist es ja egal, ob ich im Jahr ein oder zwölf Releases mache.

  7. Maurice Aug 6, 2016

    Hallo, ich habe mich dazu entschieden ein Album zu produzieren. Die Motivation für mich ist,das ich mehr Möglichkeiten der künstlerischen Entfaltung habe (z.B. kurze Instrumentalstücke, ein zusammenhängendes Konzept oder epische Stücke mit 10 min Laufzeit). Das viele Künstler nach 4 Stücken musikalisch bereits alles gesagt haben, ist für mich eher ein Zeichen für die Quantität die in einige Genres eingezogen ist. Davon abgesehen hat meine Erfahrung gezeigt, dass bei den Musikern die irgendwas im Proberaum zusammengeschustert haben, nur um auf die Bühne zu kommen, nie etwas bei rumgekommen ist. Jemand der schon ein Album veröffentlicht hat, hat auch bei Veranstaltern einen anderen Status als jemand der irgendwo mal ein paar Songs hochläd. Also setzt euch hin und fangt an für ein Album zu schreiben :)

    schöne Grüße

  8. André Aug 8, 2016

    Früher war es auch nicht ausschliesslich so, dass erst das Album da war und dann die Konzerte. Da sind Songs on Tour entstanden und wurden irgendwann auf Album aufgenommen. Die Intention muss natürlich bei allem das Musikmachen sein und sekundär die Veröffentlichung.

    Was ist mit Konzept-Alben ? Viele meiner Lieblings-Alben sind Konzept-Alben und ich finde es toll wenn ein Album auch eine Dramaturgie hat und eine Geschichte erzählen will. Ist natürlich oft etwas fern ab vom Mainstream.

    Ist natrülich auch eine grössere Herausforderung an den Künstler. Doch ich denke, das könnte sich noch lohnen.

    Und warum nicht statt nur einem Musik-Clip zu machen, gleich ein Musik-„Film“ auf YT platzieren. Gibt bestimmt auch genug Studenten der Film-Kunst die gierig nach einem Projekt suchen.

  9. André Aug 8, 2016

    Wenn es so zeitaufwendig ist ein Album zu produzieren ? Sind denn die ganzen Werbeversprechen der Musik-Instrumenten-Industrie alles Luftblasen. Eigentlich versprechen wir uns doch von der ganzen Technik-Equipment die Möglichkeit auch viel schneller und einfacher, mobiler produzieren zu können. Ist das letztlich Nonsens ? Und wenn ja, weshalb ? Ist parallel dazu der Anspruch an Musik-Produktion geestiegen ?

    Weshalb sollte man auch während einer Tour keine Songs schreiben können ? Oder ist man durch die ganzen Zusatzarbeiten mit Social-Media Marketing usw. gar nicht mehr so Voll-Blut-Musiker wie man es früher noch sein konnte/durfte.

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