Mythos Vintage – die Lösung des guten Sounds? #167

1. Mai 2012

In der 167. Episode des delamar Podcasts sprechen wir über den Mythos Vintage – ist er wirklich die Lösung des guten Sounds? Wann lohnt es sich, viel Geld für Vintage Musik Equipment auszugeben? Ist es das viele Geld überhaupt wert und was ist dran an den Gerüchten über alte Hardware? Dazu kommt ein Kontrapunkt sowie eine delamar Hörerfrage zum Thema Aufnahme einer Brass-Band.

Viel Spaß beim Hören!

Bedeutet Vintage gleich einen guten Sound?

Musiker und Produzenten geben horrende Geldsummen für altes, analoges Musik Equipment aus. Seien es alte Synthesizer, Vintage-Gitarren oder Mikrofone aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Hauptsache alt scheint hier die Devise zu sein und die Verkäufer kassieren auch entsprechend ab. Aber wie viel Wahrheit und guter Sound steckt denn überhaupt in diesen alten Gerätschaften drin? Wie klingt die Musik, die mit solchem Gear gemacht wird?

Dabei finden sich in der freien Wildbahn ganz unterschiedliche Ausformungen der Vintage-Gear-Lust. Einige kaufen sich uralte Synthesizer, andere schwören auf die neue Hardware, die den Sound nur nachempfindet. Und schließlich findet sich auch in der Musiksoftware so einiges, das auf den Klang der vergangenen Jahrzehnte abzielt.

Wie kaum anders zu erwarten war, hat sich eine hitzige Diskussion mit vielen Meinungen und Facetten zum Thema Vintage entwickelt, die wir – in gekürzter Fassung – hier als delamar Podcast veröffentlichen.

Natürlich erwartet dich auch heute ein Kontrapunkt sowie eine delamar Hörerfrage. In dieser geht es heute um die Aufnahme eines Konzerts einer Brass-Band. Erfahre, welche Tipps wir für dich hier haben.

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23 Kommentare

bei “Mythos Vintage – die Lösung des guten Sounds? #167

  1. Stadler Mai 1, 2012

    Eine schöne, kurzweilige Sendung! Folgende (ergänzende) Gedanken dazu:

    Typisch für Vintage-Equipment sind die damit korrespondierenden Mythen: Künstler X hat Equipment Y für die legendäre Platte Z verwendet. Um so zu sein und/oder zu klingen wie Künstler X muss ich Equipment Y verwenden. Man erkennt schon an der Argumentation (die Variablen einfach nach Belieben füllen), dass es sich um keine hinreichenden Bedingungen handelt, diese aber dennoch alle Mythen-Merkmale enthält: „Person, Sache, Begebenheit, die (aus meist verschwommenen, irrationalen Vorstellungen heraus) glorifiziert wird, legendären Charakter hat.“ (Duden).

    Bei Vintage-Equipment geht es somit nicht um eine absolute, messbare oder beweisbare Qualität (z. B. Argument der Bauteiltoleranz TB-303), sondern um Gefühle. Die Haptik, die Bauteile (z. B. Holz statt Kunststoff), der hohe Preis (z. B. Ausdruck von Status), der ggf. spezielle Sound, usw. beeinflussen die mit dem Equipment verbundenen Gefühle. In der Musik spielen Gefühle die tragende Rolle: Sie beginnt dort, wo die Sprache aufhört.

    Der Vintage-Sound ist deshalb mit bestimmten Firmen/Produkten verbunden, weil es zu einem bestimmten Zeitpunkt (z. B. 1965) eben nur diese, z. T. funktional limitierten, Produkte gab. Innovationen waren an der Tagesordnung und aufgrund fehlender Möglichkeiten zur Massenproduktion waren die Preise hoch und der Absatz limitiert. Der i. d. R. bis ca. Mitte der 90er Jahre auf Spezialisten/Profis limitierten Zugang und die technisch-funktional beschränkten Produktionsmittel hatten zur Folge, dass man mit – aus heutiger Sicht – wenig, aber überwiegend hochwertigem Equipment kreativ arbeiten konnte und musste. Aufgrund der intensiveren Auseinandersetzung mit dem Equipment und dem damals deutlich höheren Personaleinsatz (Spezialisten) konnte über einen längeren Zeitraum ein Sound entstehen. Heute wird nahezu jeder neue Sound bereits auf Youtube veröffentlicht, bevor das Equipment überhaupt im Laden erhältlich ist.

    Die Frage, ob Hobbymusiker Vintage-Equipment benötigen, lässt sich individuell beantworten. Aus meiner persönlichen Sicht ist es ein finanzielles Fass ohne Boden, da der Vintage-Sound aus der Summe der zum entsprechenden Zeitpunkt verwendeten Geräte entsteht. Beispiel: Um professionelle Produktionsbedingungen aus dem Jahr 1982 (immerhin 30 Jahre) zu schaffen, müsste ich tausende von Euros investieren. Selbst wenn ich mir die Investition vorstellen kann: Wer sorgt für die Ersatzteile und den Geräteservice, wer produziert meine Platte, wer kümmert sich um den Mix, usw.? Ich möchte damit sagen: Das die Platten von damals so sind wie sie sind und so klingen wie sie klingen, ist nicht einzig eine Frage der Technik, sondern vielmehr eine der Menschen. Statt viel Geld in (Vintage-)Equipment zu versenken, erscheint es mir sinnvoller, in die eigenen Fähigkeiten als Musiker und/oder Songwriter zu investieren. Wenn am Ende des Tages noch Geld übrig ist, spricht nichts dagegen, dieses für einen Studioaufenthalt und die Bezahlung eines Produzenten, Engineers sowie der Musiker zu verwenden.

    Schlussendlich finde ich es interessant, dass in einem Markt, in dem man mit Musikverkäufen offenbar kein Auskommen haben kann, die Dekadenz sich darin offenbart, dass Hobbymusiker Vintage-Gear im Wohnzimmer lagern. Vielleicht deshalb, weil Geräte mit Holzseitenteil einfach besser in die Wohnlandschaft passen?

  2. Meiner Meinung nach hat vintages digital Equipment einen viel stärkeren Charakter als analoge Geräte. Bedingt durch die damals noch sehr niedrige Rechenleistung von DSPs, mussten die Entwickler bei vielen Dingen tricksen, um einen guten Klang hinzubekommen. Sehr gut kann man das bei alten Hallgeräten hören, die diesen wolkigen chorussigen Charakter hatten. Um den Hall lebendiger klingen zu lassen, hat man dann halt einfach einen Chorus zugeschaltet, der die Fahne moduliert hat. Das Lexicon 224 ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Jeder der das UAD Plugin hat kann ja mal den Chorus ausschalten und dann hören, wie sich der Klang verändert. Mittlerweile sind solche Tricks nicht mehr unbedingt nötig, da es mittlerweile viel leistungsstärkere Computer als früher gibt. Folglich daraus verschwindet auch der Vintage Klang, wenn man es so nennen möchte. Im Podcast wurde die Frage gestellt, ob so ein Klang reproduzierbar ist. Meiner Meinung nach ist er das, nur die wenigsten möchten es, weil es nicht mehr nach 80er Jahre klingen soll. Wenn man dann also einen bestimmten Klang sucht, muss man sich eine alte Kiste ins Rack schrauben.

  3. Also für mich ist Vintage einfach nur Hockus Pockus.

    Ich finde das Ergebnis was hinterher dabei raus kommt Zählt !
    Wie und Womit ist doch mal sowas von egal.

    Der normale Musikhörer der ne CD kauft, kauft sich die ja nicht weil die mit nem alte EQ oder Compressor gemacht worden ist.
    Sondern weil er den Künstler und seine Musik gut findet.

  4. IrgendeinThomas Mai 2, 2012

    Ich finde es wäre wichtig bei Vintage zwischen 2 Varianten zu unterscheiden – Klangerzeuger und „klangformende“, Klang bearbeitende Geräte.

    Bei Klangerzeuger die nach Vintage klingen wie zB Moog, ARP,…bzw. bei ihren Emulationen die danach klingen sollen, ist dieser analoge Synthie-Sound wie er damals durchgängig bei den frühen Alben von J.M.Jarre über den 70er-Vangelis bis hin zu Wendy Carlos zu hören ist, etwas das man genau definieren kann. Dieser Sound ist „Vintage“-Synthie-Sound und hat nichts mit Einbildung oder einer pseudomäßigen Betitelung zu tun, aber er ist weder besser noch schlechter sondern eine Frage des persönlichen Gschmackes und ob es zum jeweiligen Musikstück bzw. Stil paßt. Wenn es um den Vorzug der alten Hardware über den Emulationen geht so hab ich zwar noch keine direkten Vergleiche gemacht (wäre vielleicht mal eine Idee für irgendeine Folge in Zukunft?) aber ich vermute sehr stark das die Emulationen sehr nah an das Original herankommen und jeder riesengroß geredete Unterschied nur Mythos sowie Angabe derer ist die diese Hardware-Geräte besitzen und sich mit diesem Gerede von den Software-Käufern abheben wollen.
    (wenn es rein um den Klang geht, so Vorteile wie zB die Bedienung ist ja wieder etwas anderes)

    Be Geräten die Klänge bearbeiten wie alte Kompressoren (wie zB der zum Kult avancierte Fairchild), Konsolen (Neve, SSL,…), EQ´s (Pultec, Sony Oxford,…) ist es dann wieder viel subtiler. Und ich glaube auf diesem Gebiet kann man nicht alles über einen Kamm scheren, da es sicher damals Vintage-Kompressoren gab die weniger gut als zB der Fairchild klangen der ja auch heute in Form von Emulationen sehr beliebt ist (zB UAD,IK Multimedia) Ich finde bei diesen Geräten sagt verallgemeindert genommen „Vintage“ zunächst garnichts aus (außer vielleicht halt nur das es relativ alt ist).
    Es kann mir keiner einreden das damals nur gute Hardware-Geräte und heute nur schlechtere produziert werden. Was hier der Unterschied zwischen der Hardware und der jeweiligen Emulation anbelangt kann ich leider auch nicht beurteilen da ich leider nicht im Besitz eines original Fairchilds oder Pultecs bin (ich las bislang nur das die Unterschiede nicht wirklich groß sein sollten).
    Vielleicht wird allgemein gerne „Wärme“,“Röhrensättigung“ und dergleichen mit Vintage asoziiert. Ich lasse mir ja vielleicht noch die sperrigen Bandmaschinen einreden die einfach für heutige Zeiten unpraktisch sind (und evtl. hier Bandsättiungsemulationen noch nicht so 100%ig rankommen) aber ich denke mir was damals bzgl. Kompressoren und EQ´s produziert werden konnte kann man ja heute umso mehr (der Stand der Technik hat sich ja schließlich nicht rückentwickelt)und selbst wenn man aufs Prinzip gewisser alten Geräte bzgl. technischen Aufbaus zurückgreift aber halt neue evtl. Teile mit längerer Lebensdauer einbaut.

    Alles in Allem ist für mich dieser „Vintage“-Kult auch mehr Hype der von gewissen Leuten ausgelöst wird die diese Geräte besitzen, oftmals solche dann auch größere Studios und gute Referenzen haben (die Kunden sich oftmals auch von den Equipment-Namen beeindrucken ließen) und somit dann als Mitläufereffekt (da man sich möglicherweise nicht als ahnungsloser Laie präsentieren will) viele andere Musiker die Dogmen der größeren, etablierten Studios übernehmen. Ich hab mich dafür noch nicht interessiert aber evtl. gibt es ja zB auf Youtube oder woanders im Netz schon Vergleiche die aber dann so angeordnet sein sollten das man selbst in einer Art Blindtest zuerst raten müßte und dann die Auflösung kommt.

  5. Matthias Mai 3, 2012

    Bin mal wieder geplättet, was für tolle Zuhörer wir haben…. Danke für eure Kommentare.

  6. Matteo N Mai 3, 2012

    Also ich denke mal, es wird einfach nur viel verallgemeinert. Nicht alles, was alt ist, klingt besser (und im digitalen Bereich ist es eher umgekehrt). Wofür ich aber meine Hand ins Feuer lege ist, dass ein analogeer Filter viel glatter klingt (die Resonanz sowieso). Das weiß ich erst, seit ich mit einem Moog Voyager in Kontakt kam. Da braucht man keine Schönheitsoperationen mit EQs versuchen. Als ich nur die digitalen Emus kannte, dachte ich immer, mein Sound wird deshalb nicht gut genug, weil ich scheinbar nicht mit dem EQ umgehen kann. Bullshit! Ich möchte hier den gut gemeinten Rat geben, keine Aussagen zu Dingen machen, die man nicht kennt! Wieviele von den unzähligen Leuten, die auf digital schwören, hatten ihre Flossen tatsächlich schon an analogen Synths? Die einzige Entmystifizierung bietet „Hands on“! ich habe immer wieder in Foren von Softsynthie X gelesen, der den Klang von Hardsynthie Y angeblich originalgetreu nachbilden soll und habe das dummerweise geglaubt und mir die Schuld dafür gegeben, dass ich es nicht hinkriege. Wenn ich selbst verglichen habe, wurde ich immer eines besseren belehrt. Soll doch jeder glauben, was er will. Mir steht Wissen besser! Noch etwas zur ökonomischen Seite der Dinge: Ist es nicht einleuchtend, dass Hersteller heute versuchen, die Technologie zu propagieren, die sie weniger kostet? Beantwortet Euch all das selbst! Ist doch klar, dass Platinen (die man quasi für alles einsetzen kann) billiger Herzustellen sind, als Röhren, die nur noch in Nieschen-Betrieben gebaut werden.

    • Stadler Mai 3, 2012

      Hallo Matteo N, mir ist nicht ganz klar, wie du darauf kommst, dass der Moog Voyager ein Vintage Synthesizer ist? Gerade was den Voyager anbelangt gibt es doch einen Glaubenskrieg dahingehend, dass der alte Vintage-Minimoog besser klingt :-)

      Und was die Auflösung eines Analogfilters betrifft, stimmt dann doch auch wieder nur solange, wie du die Filterbewegungen nicht über Midi aufzeichnest. Sobald du mit Midi arbeitest, bekommst du die typischen Stufen. Moog hatte auf die Vintage-Fraktion mit dem Old School reagiert und dann einsehen müssen, dass es so oldschoolig dann wohl auch wieder nicht sein darf :-)

      Dass der Voyager mit seinen rund 3.000 Euro für einen monophonen Synth besser klingen muss als die virtuelle Variante für 200 Euro, liegt auf der Hand. Der Voyager ist ohne Zweifel ein sehr gut klingender Synthesizer und wenn man genau diesen Sound mag und braucht, möglicherweise das Geld wert. Ich persönlich hatte mich lange mit dem Gedanken getragen, einen Voyager zu kaufen. Allerdings finde ich die haptischen Bedienelemente zu kunststofflastig, insbesondere die Kippschalter fühlen sich an wie die Häuser aus Monopoly ;-)

    • IrgendeinThomas Mai 4, 2012

      Im Grunde genommen geb ich dir Recht, indem erst mal vergleichen sollte um sich ein Urteil zu bilden aber wenn dann den von mir erwähnten Blindtest – alles Andere ist nicht wirklich objektiv weil Menschen nunmal so sind das sie sich gerne auch (unbewußt) von Optik,Klischees,…und dergleichen beeinflussen lassen. Wie oft kamen schon in allemöglichen Blindtests die überraschensten Ergebnisse zu Tage. Das du aber schon allein aufgrund der Haptik und Bedienung bessere Ergebnisse erzielen konntest glaub ich dir gerne (da sind Emulationen natürlich immer im Nachteil) aber ob allein der Klang zur Emulation ein Weltenunterschied ist könnte man nur auf besagter Weise rausfinden.
      Was Platinen und Röhren anbelangt – du schreibst es selber Röhren werden heute noch gebaut und wenn es nicht so wäre könnte man sie bauen, warum nicht wenn die Nachfrage da wäre? Also hebelt sich da für mich der Begriff „Vintage“ schon aus weil nur weil es damals erfunden wurde? Da könnte man genauso gut sagen alles im Leben ist Vintage weil alles Leben aus Staub und dem Urknall entstanden ist.;-)
      Für mich zählt der Begriff Vintage wie geschrieben nur für analoge Synthies die heute nicht mehr gebaut werden wie zB Minimoog, ARP (beide 1981 eingestellt) oder Yamaha CS-80 von dem anscheinend nur 2000 Stück gebaut wurden und die damals die Musikwelt prägten wie sie es heute nicht mehr tun (weil es natürlich viel mehr Auswahl gibt und kaum noch ein Musiker ausschließlich nur analoge Synths verwendet).Da kann ich Vintage nachvollziehn aber nicht indem ich es als besser oder schlechter bewerte. Was die Klangbearbeitung anbelangt – ist es nicht so das auch oder vielleicht sogar vor allem heute fast alle einen warmen, satten Klang hinbekommen wollen? Wer will schon „dünnen Klang“und „digitale Kälte“ verbreiten? Wohl die Wenigsten und wer es sich leisten kann hat Röhrengeräte/Bandmaschinen und wenn nicht Emulationen dazu. Somit ist für mich diese Art der Bearbeitungstechnik bislang zeitlos und verbinde das nicht ausschliesslich mit irgendeinem Jahrzehnt.

  7. Jürgen Bromant Mai 3, 2012

    Ich produziere ausschließlich im „Vintage Sound“, da ich selber ja kaum Musik höre, die nach 1980 entstanden ist und daher den alten Klängen sehr zugeneigt bin.
    Allerdings benutze ich, bis auf alte Gitarren, kaum vintage Equipment. Der oldschool Klang wird bei mir komplett durch VST-Plugins wie z.B. Steinberg Magneto, PSP Vintage Warmer oder die erstklassigen Abbey Road Plugins erreicht.

    Neben dem Equipment bzw. den richtigen Plugins ist allerdings auch die Produktions- und Masteringtechnik entscheidend. Vor allem in Sachen EQ und Dynamik hat man früher anders gearbeitet – das macht meiner Meinung nach mindestens genauso viel aus!
    Durch weniger Brillianz, weniger Komprimierung und dicke Bandsättigung klingen alte Aufnahmen einfach viel „organischer“ und wärmer als Neue.
    Wenn man diese Tricks kennt und mit ihnen experimentiert, kann man auch günstig einen Vintage Sound hinbekommen.

  8. Stadler Mai 3, 2012

    Hallo Jürgen, dein Hinweis auf die Produktions- und Masteringtechnik scheint mir entscheidend zu sein. Dir gefällt vielleicht dieser Podcast mit Ken Scott: http://nowcastnetwork.com/NowcastNetwork/nfblog/?p=489

  9. Jürgen Bromant Mai 4, 2012

    Stadler, danke. Ich hör gleich mal rein. :-)

  10. Ich wollte mal kurz ein bischen Senf zum Thema dazugeben: Als Vintage würde ich den Sound aus der Zeit bezeichnen als die Analogtechnik ihren Hochpunkt erreicht hat. Das dürfte Mitte bis Ende der 70er Jahre gewesen sein. In den 80ern wurde dann vermehrt auf Digitaltechnik gesetzt die eine ganz neue Klangästhetik mit sich gebracht hat. Das ganze hat seinen Höhepunkt in den späten 90er Jahren gefunden in denen die analoge Musikproduktion zusammen mit dem Spiel von akustischen Instrumenten von vielen für tot erklärt wurde. Irgendwann war dann aber alles überreizt und die Leute wollten sich auf klassische alte Werte zurückbesinnen. Und die ganze Ästhetik dieser Klassischen Werte ist nunmal die von guter, teurer Analogtechnik. Das es in den 70ern durchaus unmengen von produktionen gab die mit genau dieser Technik richtig scheisse klangen wird dabei vergessen. Die kennt nämlich heute schlicht keiner mehr. Inzwischen ist aber meines Erachtens auch diese Phase vorbei und alles mischt sich. Es wird sich heute keiner mehr beschweren wenn jemand mit teuerstem, klassischen Analogequipment eine Band aufnimmt und dann noch Spuren mit kostenlosen 8-bit-synth plugins hinzufügt. Und auch ein reiner Tecno-Track mit einem klassischen-Saxophon-Solo drinn stört keinen so wirklich. Klassisch analog mit guten Musikern und dem entsprechenden know how zu produzieren ist definitiv ein sicherer Weg um eine gute Aufnahme zu kriegen. Besonders mutig ist das ganze aber nicht. Ich denke man sollte immer das einsetzen was einem zur Verfügung steht und kein Geld für etwas ausgeben was einem unverhältnismässig vorkommt. Bauchgefühl machts dabei und was gut klingt und was nicht bestimmt dann im endeffekt doch der Hörer und nicht der Produzent.

  11. Jürgen Bromant Mai 4, 2012

    Genau, der digitale Wahnsinn begann in den 80ern, als man anfing alles mit digitalen Effekten, Hallfahnen etc. zuzumüllen um zu zeigen, dass man es drauf hat und „modern“ produziert.
    Andererseits haben wir erst durch diese Technik unsere heutigen DAWs, Plugins usw. bekommen, die anspruchsvolles Homerecording erst möglich machen, daher darf man die digitale Technik nicht generell verdammen.
    Ich sehe es daher so: Erlaubt ist, was gut klingt. ;-)
    Ich könnte mir auch vorstellen, dass jemand wie z.B. Jimi Hendrix Gefallen an dem ein oder anderen elektronischen Musikstück gefunden hätte.

  12. Jannik Mai 26, 2012

    Auch erstmal einen Dank für diese spannende Folge. Ich habe dazu auch ein Paar Argumente beizutragen.

    Zunächst, ich bin knapp über die 20 hinaus, würde aber sagen, dass mein musikalischer Hör-Horizont sich sehr paritätisch über die letzten 60 Jahre der Rock/Pop Geschichte erstreckt. Also habe ich auch Elvis Platten, Beatles, ABBA, ACDC etc. im Ohr, wenn ich an Vintage Sound denke.

    Als Keyboarder mal meine Perspektive: Ich spiele ein Roland FP-4 und einen Yamaha CS 1x (je nach Definition auch schon „fast Vintage“… immerhin 16 Jahre alt. Außerdem ein Yamaha U3, aber das ist leider nicht so portabel. In den Presets der beiden elektrischen Vertreter ist jede Menge Gutes, aber auch jede Menge Müll enthalten. Mein Liebling ist unangefochten der Roland-typisch gute Fender Rhodes Sound. Aber auch wenn die Samples gut sind und ich mit nem guten Effekt die Röhren simuliere, an die ein echtes Rhodes nunmal gehört, komme ich nicht ganz an das geile Gefühl ran, wie so ein Ding wirklich über nen Marshall scheppert, den ich benutzen würde. Hier ist ganz klar das Problem: Geld. Fender Rhodes plus Marshall … sicher nicht unter 5000€. Dann habe ich EIN geiles Instrument.

    Zweites Beispiel: Roland Jupiter 8. Heftig geil. Kann zwar nicht viel im vergleich zu aktuellen Synths (wie auch? die Technik entwickelt sich ja quasi exponentiell) aber hat Charakter in den paar Sounds die es bringt.

    Für mich ist das genau die Quintessenz: Mir geht es um Charakter wenn ich an Vintage denke. Also so Sachen wie Röhrenkompression am Amp oder spezielles Ansprech-Verhalten bei Keyboards. Beides ist nunmal nicht mit Samples und Bodentreter zu reproduzieren. Auch wenn der Sound „for all intents and purposes“ Studio-Reif ist. Aus Geldmangel und Platzmangel auf der Bühne heißt das aber für mich: es gibt kein Rhodes, Wurlitzer, B3 mit Lesly und Bösendorfer, Moog und Juno oder Jupiter 8… aber ein bisschen so anhören möchte ich mich schon.

    Noch ein Beispiel: Neumann U87. Einfach geil. Warum? Nun, ich lehne mich an das aktuelle Soundcheck Magazin an und unterstelle mal: es trifft einfach das, war wir gern hören, inzwischen auch weil wir es so gewohnt sind. Klar hat das was mit Hörgewohnheiten zu tun. Aber das ist egal. Es ist geil, viele mögen es so, deswegen sollte man sich ein wenig daran orientieren – was natürlich nicht heißt Regeln wären nicht zum brechen dar… aber das ist eine andere Diskussion.

  13. beingmf Jun 12, 2012

    Na, hier purzeln ja die Interpretationen lustig durcheinander :)

    Ein ebenfalls entscheidender Faktor, der immer vergessen wird – jenseits von Schaltungen und Gerätekonzeptionen – ist der des verwendeten Materials!
    Dummerweise werden seit geraumer Zeit (ich tippe auf Anfang/Mitte 80er) Metalle und Metalllegierungen so gewonnen, dass sie den Ansprüchen von Audiogeräten eigentlich nicht mehr genügen. Die verwendeten metallurgischen Techniken verkürzen den Prozess auf eine Weise, bei der die optimale Leitfähigkeit leider auf der Strecke bleibt (die man durch langwierigere „Vintage“-Gewinnung erhalten könnte)!
    Daher klingen alte Übertrager tatsächlich objektiv besser – sprich „euphonischer“ – als deren moderne Nachfolger.

    Zum Beispiel U87: Modelle nach 1985 sind doch der letzte Schrott, genau mit diesem Mikro ist es mir ja zum ersten Mal aufgefallen, dass irgendwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann…

    Aber Metalle hin oder her – ich bin auch der Meinung, dass wir im Laufe unserer musikalischen Sozialisation bestimmte Sounds als „angenehm“ oder vielleicht sogar „richtig“ abgespeichert haben. Die Frage müsste jetzt mal jemand beantworten, der in den ziemlich krachigen frühen 60ern aufgewachsen ist: wie hat man denn später den supersmoothen, durchsichtigen Mitt-70er-Sound wahrgenommen?

    • Carlos Jun 12, 2012

      Die Sache mit dem U87 und dem U87ai würde ich ja zu gerne mal einem Blindtest unterziehen…

      • beingmf Jun 12, 2012

        Das wäre echt gut! Das hört nämlich jeder, und das sofort :)

      • Carlos Jun 12, 2012

        Da bin ich mir nicht so sicher.

  14. beingmf Jun 12, 2012

    Nein, „jeder“ war auch nicht ganz ernst gemeint. Die Dinger klingen ja untereinander schon unterschiedlich, und sind extremst auf den passenden Preamp angewiesen. Aber wirklich jeder sollte zumindest den Unterschied zwischen einem „Vintage-Rundfunk“-U87 und einem „Laden“-U87 hören. Rolloff bei 16kHz vs. flat ist dann doch auffällig, v.a. bei Stimme. Aber das alte klingt eben auch sehr angenehm so…

    • Carlos Jun 12, 2012

      Wir werden es bei Gelegenheit antesten, Paul hat ein altes und ich ein neues. Demnächst steht erst einmal aber der Test eines anderen Klassikers an…

  15. Das mit dem U87 würde ich auch mal eher zu den Legenden sortieren. Wenn man sich das Argument mal auf der Zunge zergehen lässt, dürftee es also nur noch schlecht klingende Audiohardware am Markt geben, da es ja keine Metalle mit guten Leiteigenschaften mehr gibt. Sorry, aber das hört sich für mich nach Voodoo an.

    • beingmf Jun 12, 2012

      Da missinterpretierst Du mich: ich spreche ja nicht von „schlecht“ (was heisst schon „schlecht“), sondern von „nicht mehr optimal“! Man wird selbst bei gleicher Wicklung und auf-dem-Papier gleichen Materialien nicht mehr den Sound eines „Vintage“-Übertragers erreichen. Das ist kein Voodoo (der liegt mir genauso fern wie Dir), sondern eine physikalische Tatsache, die mir auch Freunde aus der Medizintechnik* bestätigen.

      * in der es um noch viel extremere Anforderungen geht! Was diese Firmen unternehmen, um an möglichst reine und optimale Legierungen zu kommen, willst Du gar nicht wissen…

  16. Simon Dez 16, 2012

    Wirklich spannende Folge!

    Ich glaube, dass heute weit weniger „Kultgeräte“ geschaffen werden, da die Auswahl der Hardware wesentlich größer ist, ganz zu schweigen von den ganzen Plugins. Ich bin selber erst 18 und kann deshalb nicht von Erfahrungen sprechen, jedoch machen grade die „Limitierungen“ und haptischen Gegebenheiten von alten Geräten einen gewissen Reiz aus.

© delamar.FM