Schockierend: Gitarrist durch Software ersetzt – DG080

28. März 2015

Beispiele wie Prominy V-Metal zeigen, wie weit Musiksoftware mittlerweile vorgedrungen ist – das virtuelle Saiteninstrument für den Software-Sampler Kontakt klingt bei gekonnter Sequenzierung mit Artikulationswechseln wie ein leibhaftiger Gitarrist an einem echten Instrument. Oder? Wir hören genau hin und steigen in das »uncanney valley« der Musikproduktion hinab…

delamar Guitar #80 – Gitarrist durch Software ersetzt

Hört man den Unterschied? Wenn ja: Was fehlt virtuellen Instrumenten im Vergleich zum Sound einer echten Gitarre, die von einem Gitarristen aus Fleisch und Blut gespielt wird? Welche Rolle spielt der Swing, der Groove, die lebendige Rhythmik durch Unregelmäßigkeiten im Timing? Taugt Software wie diese als Begleitinstrument, etwa für Drummer und Keyboarder?

Außerdem kommen wir auf das leidenschaftliche Jammen und die Interaktion mit echten Spielpartner in einer Band zu sprechen, die im Gegensatz zur nüchternen Programmierung einer Software steht. Ohne Zweifel stellt derlei Gitarrensoftware zumindest eine vortreffliche Komponierhilfe dar.

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10 Kommentare

bei “Schockierend: Gitarrist durch Software ersetzt – DG080

  1. …witziges Plug-In :-) …es sollte Schule machen ;-)
    Im Imagevideo wirkt das ja alles schön glatt und so…aber gibt’s da auch eine „Gitarristendudelfunktion“ im „Jam Modus“ für mehr Authentizität? …

  2. Slashgad Mrz 28, 2015

    Also zunächst: Ich war auch beeindruckt von dem Demo! Ich bin vor ein paar Monaten durch einen Kommentar auf FACEBOOK auf das Instrument bzw. die Firma aufmerksam geworden.

    Allerdings besitze ich die Library nicht. Für mich ist die Sache in sofern interessant, weil durch eine Krankheit (zahlreiche Rücken-OPs , jetzt taube Finger) nicht mehr selbst Gitarre spielen kann. 10 Jahre konnte ich gar keine Musik machen, aber seit 2 Jahren kann ich immerhin zeitweise den PC starten. Von daher bin ich an diesen virtuellen Instrumenten besonders interessiert (ein Sonderfall).

    Die Prominy-Sachen sind wirklich das momentane Maximum, was Umfang und Möglichkeiten angeht. Die V-Metal-Axt kommt ja mit bescheidenen 20 GB, die LesPaul (LP) und die STRAT (SC)liegen bei 60 GB (uncompressd).

    Es handelt sich dabei und Kontakt-Multis mit über 20 Instrumenten (!). In einer Beschreibung im SOUND-ON-SOUND-Magazin lese ich „The full V-Metal Multi loads all articulations (29 of them), each being given its own dedicated instrument in Kontakt, and all responding to a common MIDI channel.“ Die Steuerung erfolgt über Keyswitches und die Velocity. Das ist natürlich nicht ganz unkompliziert. Bei den großen Instrumenten werden da 150.000 Samples angesteuert. Da gibt’s fast alles, was die Gitarre bietet. „Articulations include legato slides, hammer-on and off, tremolo, trills, unison bends, harmonics, pinched harmonics, double bends, various chords and two-note intervals, octaves, powerchords, whammy bar effects, feedback and divebomb.“

    Das ist natürlich ziemlich komplex, so mein Eindruck. Das Manual hat 200 Seiten, voll mit Key-Zonen, Artikulationen und Akkord-Tabellen (mit übrigens bedenklichen Akkordbezifferungen…). Dazu kommt ein fast ebenso großes PDF mit dem Namen CONTROLLER CHART, wo alle möglichen Midi-Zuweisungen und Instrumente aufgelistet sind.

    Also das hat mich bisher abgehalten, das Ding anzuschaffen – mal ganz abgesehen vom hohen Preis.

    Ein ähnliche Kontakt-Library gibt es von IMPACT SOUNDWORKS: SHREDDAGE II
    Allerdings mit nur 4 GB Größe und nicht ganz so komplex. Und auch zum halben Preis. Hier ist gleich ein kleiner AMP-Simulater inklusive (Peavy ReValver).

    Hiervon gibt es ein Video auf YOUTUBE, in dem ein Songbeispiel (DARGON FORCE-Cover) und dessen Automationen in FL-Studio erklärt werden. Es hat den Namen
    „Shreddage 2 Tutorial: „Shred the Night“ Walkthrough“
    Erstaunlich, was ein nicht-Gitarrist hiermit fabriziert!

    Allerdings, wenn man sieht, wie aufwendig das Ganze ist, dann kommt man doch schnell auf den lebenden Gitarristen zurück… Und einen Top-Rechner brauch man sicher auch.

    Auf dem Acoustic-Gitarren-Bereich gibt es noch AMPLE SOUND (glaube ich aus China), Die machen für meine Begriffe die besten Akustik-Gitarren. Und spielbar sind die wohl auch noch relativ gut!
    Bei den Beispiele könnte ich wirklich fast nicht beurteilen, ob hier ein PC oder ein Mensch am Spielen ist.

    Zu GUITAR PRO 6 noch ein Wort: Vom Sound ist das zwar o.k., aber nicht mit solchen Kontakt-Librarys vergleichbar. Die ELETKRIC-GUITAR-Sound-BANK umfast gerade mal 230 MB bei GP6. Das ist ein super Programm, aber es hat einen anderen Ansatz. Übrigens kann man GUITAR PRO-Tab-Files in AMPLE-SOUND-Gitarren und Bässen abspielen – mit allen Artikulationen – wirklich sehr cool!!! (so eine Taylor-Acoustic (AGT) von Ample-Sound steht ganz oben auf meiner Wunschliste…)

    DANKE an Euch für dies interessante Sendung!!!

  3. Slashgad Mrz 29, 2015

    Noch was… also als Playback-Übungs-Tool a la BAND-IN-A-BOX für Schwermetaller eignet sich so ein Instrument wohl eher weniger. Es ist ja nicht damit getan, schnell mal ein MIDI-File in die DAW zu ziehen und eine Spur mit PROMINY aufzumachen.
    Und auch das schnelle Einspielen eigener Takes (wie man es in Videos der Software sieht), ist sicher nicht so einfach und für Gitarristen, die gewöhnlich nicht die besten Tastenspieler sind, nicht so ohne weiteres zu bewerkstelligen.

    Aber ihr habt es ja auch angesprochen:

    Das grundsätzlich Bedenkliche ist eigentlich, dass beim Musikmachen keine Kommunikation zwischen Menschen mehr stattfindet und immer mehr Musik einsam am Rechner entsteht. Das ist sicher ein großes Defizit solcher Hilfsmittel und das kann sicher durch keinen noch so genialen programmiertechnischen Kniff oder eine noch so große Library ausgeglichen werden. ZUM GLÜCK !!!

  4. AnMARKung Mrz 29, 2015

    Bitte bitte bitte erklärt Markus endlich mal, dass es „Delamari“ heißt und nicht „Podlinger“… Jedesmal, wenn ich den Gitarrenpodcast höre, ist meine Laune auf dem Nullpunkt, wenn ich diesen Schwachsonn höre und für einen kurzen Moment überlege ich jedesmal wirklich, die Folge direkt wieder zu löschen…

    Es hat lang genug gedauert, einen innovativen Begriff wie „Delamari“ zu etablieren, da braucht es wirklich keine Neuerung die gleichzeitig einen Abstieg darstellt.

    • Moin Mark,

      Wir freuen uns natürlich, dass du unseren Podcäääst hörst :-) vielen Dank!

      Es wäre natürlich Schade, wenn du das nicht mehr tun würdest. Und einfach löschen ist ja auch keine Lösung, gelle?

      Ich finde es spannend, dass du dir über die Marke Gedanken machst, wir hätten eher Kritik zu den Themen oder den Inhalten erwartet. Das hier ist aber neu – krass, echt ehy.

      Also, wenn wir denn schon bei Corporate Identity sind: delamar und delamari (demzufolge) wird klein geschrieben. Immer!

      Wir können Markus selbstverständlich nicht züchtigen, das ginge dann wohl doch zu weit. Wir werden uns gemeinsam wohlwollend überlegen, was wir da tun können um dich zufrieden zu stellen.

      Ich fand Podlingers immer eine Bereicherung und auch einen innovativen Begriff, ich sehe nicht unbedingt einen Rückschritt – das müsstest du uns nochmal erklären, warum du in dem innovativ, in stundenlangem Brainstorming erdachten Begriff „Podlingers“ jetzt einen Rückschritt siehst?

      Ich würde es schade finden das sterben zu lassen.

      Wir machen das jetzt mal demokratisch:
      Wie sehen die anderen Pod… err delamaris das mit dem Begriff Podlingers?

      Sterben lassen, oder weitermachen?

      Eure Stimme zählt!

      Gruss
      Henry

  5. Slashgad Mrz 30, 2015

    Nachtrag:

    hier noch ein paar Links, die mir beim Erkunden von PROMINY-Gitarren begegnet sind:

    Beim ersten ist die PROMINY SC (Strat) im Einsatz. Das geht da alles etwas schleppend… Als DAW ist FL-Studio am Start (da bin ich leider nicht so zuhause). Man sieht hier gut, wie mit den Keyswitches und der Velocity gearbeitet wird:

    „Prominy SC Electric Guitar in FL Studio“
    https://www.youtube.com/watch?v=KqHzPzKYMKY

    Der 2.Link heißt „Prominy SC yngwie“ .

    Hier hat sich jemand aus Fernost die Mühe gemacht, einen Klassiker von YNGWIE J. MALMSTEEN („Far beyond the sun“) mit der PROMINY-Strat, BFD2 und NI B4 im Rechner nachzubauen. (…ja, von der RISING FORCE-Scheibe – die mit der weißen STRAT und den Flammen auf dem Cover)
    Das Ergebnis kann man für 2 min anhören. Sehr beeindruckend…

    „Prominy SC yngwie“
    https://www.youtube.com/watch?v=fZqylRiE6jA

    Im 3.Beispiel baut der Autor des 1.Links einen kleinen Metal-Song zusammen. Zunächst 4 min lang die Drum-Samples. Dann kommen die Gitarren dran. Hier kann man beobachten (ist kommentarlos), wie die Artikulationen mit Keyswitches erzeugt werden. Auch der Prominy-Bass kommt zum Einsatz.
    In allen Videos werden zusätzlich zu PROMINY (in KONTAKT) AMP-Simulation bzw. PEDAL-Boards hinter den Sampler geschaltet. (Also eine virtueller AMP wird vorausgesetzt, will man die Software sinnvoll nutzen.)

    Prominy – Guitar Rig – FL Studio
    https://www.youtube.com/watch?v=nldF4pa3d7U

    Ich glaube mit diesen 3 Links kann man einen ganz guten Einblick bekommen, was die Software bzw. besser die SAMPLE-Library leisten kann und wie man sie bedient.

    So – jetzt lasse ich euch aber in Frieden… (;-) )

  6. Wotan Mrz 31, 2015

    Ich habe die Software vor ein paar Jahren gekauft, weil ich als Keyboarder die Möglichkeit haben wollte, in einer laufenden „Komposition“ ein echte Metal-Gitarrenparts einspielen zu können.
    Die erste Enttäuschung kam, als mir klar wurde, daß V-Metal eine ReAmping-Library ist. Das heißt, die gesampelten Töne sind komplett clean und müssen noch durch eine – nicht enthaltene – AmpSimulation. d ahbe ich das PlugIn erstmal wieder beiseite gelegt und die benötigten parts mit „Ministry of rock“ gemacht, die die Amp-Sounds drin hat.

    Dann habe ich mir in einer NI Aktion vor einem Jahr günstig Komplete gegönnt, wo dann auch mit GuitarRig eine ordendliche Ampsimulation dabei war. Und jetzt wird es kompliziert: V-metal zu „spielen“ muß man lernen. Die Keyboardtatsataur ist dermaßen komplex gesplittet und mehrfach belegt, daß man nicht mal einfach „in die Tasten greifen kann“. Mal läd auch nicht wie sondt bei solchen Sample-PlugIns Chords, Picks, Bends oä in separate Kontakt-Slots. Das ist alles auf der einen Tastatur vereint. Ich bin noch nicht soweit, daß ich damit wirklich spielen kann. Aber wenn man das kann, dann ist das Ergebnis wirklich klasse!
    Es handelt sich hier NICHT um ein GM-Modul, das brav im Hintergrund daddelt. Das ist eine ernst zu nehmende Gitarrenemulation für Komponisten und Produzenten, die eben nicht Gitarre spielen. …die gibt es auch…

  7. Hallo Wotan, Hallo Slashgad

    vielen Dank für eure Ausführungen. Das sind halt alles Dinge, die man nur herausfinden kann wenn man die Software benutzt.
    Ich hatte das nur auf You Tube entdeckt. Und war von den Möglichkeiten (eben für Nicht-Gitarristen) ziemlich beeindruckt.

    Gruss
    Henry

  8. Schon witzig, wie sich so manche Gitarristen gleich angegriffen fühlen wenn sie mit Software wie dieser konfrontiert werden, Das zeigt mir zunächst mal, dass die Gitarrenfraktion sich schon ein Stück weit für was besseres hält. Bei Drum- oder Piano-Software war irgendwie keine so „schockiert“ oder?
    Ist wohl immer noch so´n Poser und Frauenbeeindrucker-Ding, irgendwie traurig…
    Dabei gibt´s doch keinen Grund, vor Software Angst zu haben. Live ist mal als echter Musiker ja immer gefragt, und bei Produktionen gilt doch wie immer folgendes: Der Käufer entscheidet was ihm gefällt! Wenn er Musik aus der Dose geil findet soll er sie kaufen, in dem Fall auch Kompliment an den Programmierer! Wer Wert auf echte Emotionen legt, die echten Vibes, die zwischen Musikern entstehen, dreckigen aber ehrlichen Sound, der wird auch immer entsprechende echte Musik kaufen bzw. zu Gigs gehen etc.
    Also wo in aller Welt ist Euer Problem?
    Eure Angst resultiert nur aus Eurer persönlichen menschlichen Unsicherheit, wegen der Ihr vermutlich auch Gitarristen geworden seid, denn mit ner Strat um´n Hals und coolem Outfit lässt sich die bekanntlich
    am besten überspielen. Nix für ungut…

  9. Henry Jun 19, 2015

    Hi Herb

    mit ‚menschlich unsicher‘ fühl ich mich definitiv nicht angesprochen.
    Und wegen menschlicher Undicherheit bin ich sicherlich nicht Gitarrist geworden. Das kann ich sicherlich als Motivation ausschliessen.
    Ich dpiel seit 30 Jahren Gitarre und seit 32 Jahre Schlagzeug auf professioneller Basis.

    Zu Schlagzeugen aus der Dose kann ich dir sagen, dass ich das was zur Zeit geboten wird alles als nicht besonders Grossartig erachte. Wer Trigger benutzt ist einfach nicht in der Lage sein Schlagzeug richtig zu stimmen und zu Faul das odentlich abzunehmen. Oder der Tontechniker hat keinen Bock auf seinen Job. Bei Keyboards und Co kann ich das nicht beurteilen, weil mir die fachliche Erfahrung fehlt.

    Welches Instrument spielst du doch gleich?!

    Gruss
    Henry

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