Der Fluch der geschlossenen Systeme #286

7. Oktober 2014

In der 286. Folge des delamar Podcast geht es um geschlossene Systeme. Will heißen die Gebilde aus Produkten und Dienstleistungen eines Herstellers, mit denen alles aus einer Hand geliefert wird. Dabei bleibt der Nutzer immer gut behütet im Universum X und muss sich nicht mit Kompatibilitätsproblemen herumschlagen – weil erst gar keine Kompatibilität gewünscht ist. Eine bunte Sendung über neue Trends, die nun in der Audiobranche angekommen sind.

Viel Spaß!

Podcast #286 – Geschlossene Systeme

Mit der MIDI-Keyboard-Serie Native Instruments Komplete Kontrol S, die im Zuge von Komplete 10 auf den Markt geworfen wurde, beginnt unsere Diskussion. Bald kommt das Gespräch auf die geplante Cloud von Avid mit eigenem Shop für Plugins (sogar direkt aus Pro Tools heraus). Ein weiteres Anzeichen für die Zeitenwende ist das Motto »Mieten statt kaufen«, dem einige Hersteller nun folgen wollen. Immer nach dem Beispiel von Adobe mit ihrer Creative Suite. Welche Gefahr besteht hier für Tonstudios?

Außerdem sprechen wir über die Upgrade-Politik von Waves und gehen der Frage nach, wo meine Plugins nach einer Neuinstallation eigentlich stecken. Das und mehr härst Du in dieser Folge – viel Vergnügen, wir freuen uns auf dein Feedback!

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6 Kommentare

bei “Der Fluch der geschlossenen Systeme #286

  1. Stefan Küchelmann Okt 7, 2014

    Jetzt muss ich aber doch mal ne Lanze für Propellerhead brechen: Mit reason bietet die Firma ein geschlissenes system an, bei dem das geschlossene System wirklich sinnvoll und Userfreundlich ist.
    1. Funktioniert eine Neuinstallation genau so wie du, Carlos es bei Apple auch kennst: alles Rack Extensions werden automatisch wieder installiert und man kann praktisch nach ner halben wieder seine Projekte laden, wie vor der Installation. Das war einer der Gründe das ich von Vst weg bin, weil da hieß Neuinstallation immer tagelanges gefrickel und am Ende konnte man dann doch das eine oder andere Projekt nicht mehr öffnen.

    2. Ist das Prinzip von Reason, dass alle Instrumente und Effektplugins zusammengestöpselt werden können. Man drückt Tab und kann mt virtuellen Kabeln die Geräte verbinden. Dabei kann man nicht nur Audiodaten sondern auch Steuerbefehle übertragen (z.b. den Halleffekt mit dem selben Lfo steuern wie den Synthie). Dieses Konzept wird bei den Rack extenstions konsequent weiterverfolgt. Ebenso klappt z.b. einfach das globale „undo“ und alle parameter werden im Projekt abgespeichert.

    3. Bietet propellerhead im Useraccount an, Lizenzen auf andere Accounts zu übertragen. Somit kann ich meine virtuellen Geräte wie echte Geräte verkaufen.

    Ich kann sich bei Reason ärgern, dass es z.b. nicht mit meiner Maschine zusammen läuft. Hier ist Propellerhead nicht geneigt, vst anzubieten und Native Instruments umgekehrt sieht Rewire als unnötigen Schnickschnack. Da ist mein Gefühl das Propellerhead eher „nachgeben“ sollte, weil Propellerhead eben der Nischenanbieter und Native einer der Marktführer ist. Aber aus meiner Sicht zeigt Propellerhead in vielerlei Hinsicht welche Vorteile geschlossene Systeme haben können, zumindest, wenn sie fair für den Kunden sind. Die Leute lieben Apple, weil es eben „einfach läuft“ und genau das liebe ich an Reason: ich kann einfach loslegen. Alles funtioniert nach einem klaren Prinzip. Das war übrigens auch der Grund warum ich mir dann doch irgendwann mal die Maschine gekauft hab. Da isses ähnlich. Schkuesskich will ich ein Instrument „spielen“ und nicht an meiner daw „arbeiten“

    Das Thema indes was toll, die sendung hat mich sehr angesprochen!

  2. Slashgad Okt 8, 2014

    Ja, interessantes Thema! Und ich finde Software mieten geht gar nicht. Aber das garantiert vielleicht auch eine regelmäßige Einnahmequelle zur kontinuierlichen Produktpflege, wenn man es mal aus dem Blickwinkel der Entwickler sieht.

    Bei ANDROID ist es übrigens auch so: Meldet man sich z.B. mit einem neuen Handy mit seinem Account an, so installieren sich alle gekauften APPs von selbst, sofern man sie nicht stoppt.

    Mir sind offene Systeme sehr wichtig. Deshalb bin ich überhaupt kein APFEL Freund! Denkt man an die ganzen freien VST Plug-ins, sieht man, welche Vorteile das hat.

    Das Weiterverkaufen von Software Lizenzen (siehe NATIVE INSTRUMENTS, da geht das problemlos, andere wollen dafür Gebühren) hat auch Vorteile. Das Produkt ist quasi neuwertig und der Versand erfolgt per E-Mail (Serien-Nr.), also ohne zusätzliche Kosten. Ist auf eBay schon Gang und Gäbe!

  3. Polyaural Okt 8, 2014

    VST und AU

    Um etwas besser machen zu können, muss man es anders machen. „Besser“ im Zusammenhang mit Plugins betrifft vor allem Geschwindigkeit und Stabilität. Bei meiner (Internet-) Suche nach den Unterschieden zwischen AU und VST wurden diese Punkte besonders herausgestellt. AU gilt nativ als stabiler und schneller (und damit ist nicht die Ausführung eines VST in einer Bridge auf einem Mac gemeint). Das könnte vor allem an der sehr tiefen Einbindung von AUs in das OS X liegen.

    Die gleiche Ausgangslage dürfte für die Entwicklung von RTAS zugrunde gelegen haben. ProTools war schon in den Anfangsjahren für extrem geringe Latenzen bekannt und begehrt. Das geht nur mit einer engen Zusammenarbeit zwischen Hardware und Software. Daher wohl auch die langjährige ausschließliche Kopplung an Digidesign-Interfaces.

    Software mieten vs kaufen

    Die Gründe Software zu vermieten anstatt sie zu verkaufen sind eindeutig.

    1. – Ohne stehende Online-Verbindung keine Programmausführung. Auf diese Weise stellen Raubkopien spätestens dann kein Problem mehr dar, wenn der letzte Computer der noch eine alte App-Version ausführen kann, den Weg in die ewigen IT-Gründe gegangen ist. Vielen Dank also an die Heerscharen von „superklugen“ User, die für Photoshop & Co. kein Geld bezahlt haben, und nach dem Grundsatz leben „Die Hardware war teuer genug“.

    Nachteil dieser schlimmen Sache ist aber, neben den schon im Podcast erwähnten, dass die Software nur wenige Programmstarts ohne aktive Online-Verbindung erlaubt. Wenn ich also mit meinem Studio mal ein oder zwei Monate so in den Miesen bin, dass ich die Rechnungen nicht mehr zahlen kann, dann wird mir auch noch das Werkzeug abgeschaltet, mit dem ich Geld verdienen könnte. Ausserdem gibt es ja noch die Lizenzabschaltungen aufgrund von „Computerfehlern“, die zwar versprochenermaßen in ein paar Stunden behoben sind, tatsächlich aber dazu führen können, das man seine Terminarbeit auch mal erst zwei oder drei Tage später weiterführen kann. Welcher der anwesenden freiberuflichen Kreativen könnte während er an einem Kundenauftrag arbeitet mal eben drei Tage auf seine Software verzichten?

    2. – Mieten sind kalkulierbare Einnahmen. Der CFO kann (im gewissen Rahmen) von übers Jahr gesehen dauerhaften Einnahmen ausgehen. Es gibt keine Peaks mehr wenn eine neue Version raus kommt. Und (!) es gibt keinen Gebraucht-Markt. Man kann kein günstiges älteres Programm mehr kaufen. Viele „Spezialisten“ haben z. B. alte Adobe Suiten verkauft, wenn es eine neue gab. Es gibt auch keine Update-Verweigerer, die lange Jahre mit einer alten Version produktiv arbeiten. Jeder zahlt. Keine Ausnahme. Und, wie Carlos schon sagte, nach zwei Jahren hatte früher jeder seine Software abbezahlt. Heute zahlt er weiter. Das ist eine 100%ige Update-Rate. Davon schwärmt jeder Software-Hersteller.

    3. – Der Support wird vereinfacht, weil es nur noch eine Version im Markt gibt. Es gibt (in absehbarer Zeit) keine unterschiedlichen Programmversionen im Markt. Die App wird automatisch updatet. Was unter anderem bedeutet, das man Hardwaretechnisch einigermaßen aktuell sein muss. Einen „Praktikantenrechner“ mit 10 Jahre alter Technologie und entsprechend alten Apps gibt es dann nicht mehr.

    Sicherlich hat Mieten auch viele Vorteile. Aber hauptsächlich profitiert der Hersteller.

  4. Stefan Küchelmann Okt 10, 2014

    Die Entwicklung zum Softwaremieten habe ich schon nach der Jahrtausendwende bei ner Bandprobe als Szenario in den Raum geworfen, damals war DSL gerade am aufkommen. Ich weiß noch, wie unser Gitarrist damals meinte: „Das macht doch keiner: Firmen machen das eh nicht und Privatleute haben eh kopierte Software“. Tja. Im Bereich DAW empfinde ich Mieten als NoGo. Ne Office-Suite, ok. Da kann ich das selbe Format meist auch noch mit anderen – evtl. nicht so leistungsfähigen Programmen – öffnen. Photoshop, auch ok. Bilder kann ich auch mit Gimp bearbeiten, auch das PSD-Format.

    Aber bei ner DAW ist es letztendlich so, dass ich an meine eigenen Projekte in der Regel nicht mehr drankomme, wenn ich das Programm nicht habe. .Reason, .flp, .cpr, … Jede DAW hat da ihr eigenes Format, Import funktioniert bei keiner und ich kann meine Projekte nur als Audiodaten exportieren um sie in einer anderen DAW weiterzuverarbeiten. Somit mache ich mich von einer Firma abhängig, wenn ich mit einer beliebigen DAW arbeite. Das ist insoweit ja auch ok, wenn ich das Produkt besitze – wenn ich aber laufende Zahlungen leisten muß, um überhaupt dauerhaft an mein geistiges Eigentum „rainzukommen“, geht das mal gar nicht. Das geistige Eigentum bei eigenen Tracks besteht ja letztendlich vor allem in der Anordnung von Noten, Signalwegen, Effekten, etc. Nicht im fertigen Song. Darauf keinen zugriff mehr zu haben, macht meine eigenen Tracks ebenso wertlos, wie wenn ich mir nen Chartshit in die DAW ziehe um ihn mal zu analysieren… Von daher kommt mieten für mich nicht in Frage. Ich würde im Falle, das Propellerhead auf Mieten umstellt, meine jetzige Version noch möglichst lange nutzen und dann auf eine andere DAW umstellen. Wenn es alle gleichzeitig machen würden, hmmm… Dann spiel ich fortan eben nur noch auf meiner Gitarre :D

  5. DJ Ossi Okt 21, 2014

    Jedes hat seine Vor – und Nachteile. In einem gebe ich Stefan Recht. Es muss unabdingbar gewährleistet sein, an die eigenen Projekte ohne Widerstände ranzukommen und damit jederzeit und überall arbeiten zu können. Weiterhin kommt es auf die Höhe der Miete an. Für manche würde es sich lohnen. Aber eben nicht für alle. Deshalb sollte man beide Schienen fahren um eine Entscheidung für sich treffen zu können.

  6. Kahlbert Jan 10, 2015

    Thema Software weiterverkaufen:

    MusicLab und Synthogy (u. a.) verbieten den Lizenztransfer ausdrücklich in ihren Lizenzbedingungen.

    Ich möchte mal sehen, wie jemand in Deutschland das angebliche Recht auf Weiterverkauf (Achtung: Software wird grundsätzlich nicht „verkauft“ sondern „lizenziert“!) bei ausländischen Firmen einklagt …

    Frustrierte Grüße
    Kahlbert

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