Songtexte zwischen Poesie und Kalauer #215

2. April 2013

Nach erfolgreichem Osterwochenende war es Zeit, einen Podcast zu produzieren, der mal einen ganz neuen Ansatz verfolgt. In geselliger Runde diskutieren wir über einzelne Textpassagen in diversen Songs – frei von der Leber. Es entspannt sich schließlich eine interessante Diskussion zum Ende der Sendung, die das Thema etwas ernsthafter angeht und in einer Betrachtungsweise der Verantwortung von Musikern gegenüber der Jugend mündet. In den delamar Hörerfragen besprechen wir das Recording einer Gitarre mit aktiven Pickups.

Es ist eine spannende Sendung geworden, ich wünsche dir beste Unterhaltung beim Hören!

Songtexte zwischen Poesie und Kalauer #215

Klar, über einen Songtext kann man nicht wirklich diskutieren. Und ganz sicher ist auch nach der Aufzeichnung klar geworden (wenn es denn nicht schon vorher klar war), dass einzelne Textzeilen inhaltlich aus dem Kontext gerissen sind und auch erst ihre Einbettung in die Musik so richtig Aufschluss darüber geben kann, wie sie wirkt und gemeint ist. Jedenfalls haben wir so einige Meisterwerke der deutschen und amerikanischen Musikszene mitgebracht.

Wenn auch Du Textzeilen aus Songs kennst, die Du in diese Kategorie einordnen wollen würdest, dann schreib uns die einzeln (!) auf. Bitte hier keine kompletten Songtexte nutzen, da wir diese aus urheberrechtlichen Gründen nicht auf delamar veröffentlichen dürfen.

In den delamar Hörerfragen erfährst Du, wie Du eine Gitarre mit aktiven Pickups am besten direkt in dein Audio Interface aufnimmst.

Viel Spaß beim Hören!

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13 Kommentare

bei “Songtexte zwischen Poesie und Kalauer #215

  1. Chrysostomus Apr 2, 2013

    He, die Folge war cool.
    Ich finds toll, dass es mal wieder in Richtung Songwriting ging, also Musik machen und nicht produzieren.

    Ich bin auch eher ein Freund von konkreteren Songtexten, den Begriff Pseudointellektuell fand ich sehr gut gewählt.

    Ich finde übrigens Redewendungen in Songtexten cool, wenn sie gut eingebunden werden. Gutes Beispiel: Rammstein – Mein Teil. Alleine die Zeile „Denn du bist, was du isst.“ bezogen auf Kanniballismus bezogen – genial.

    Was mir übrigens auffällt, ist, dass es sehr gute finnische Texter gibt, die auf Englisch schreiben.
    Nightwish oder WIntersun fallen mir da ein, im Gegensatz dazu gibt es auch viele Muttersprachler, die sehr grenzwertige Texte schreiben. Ich denke da nur an Evanescence: „These wounds dont seem to heal, this pain is just to real“ Aua…
    Insgesamt finde ich einen schwachen Reim oder gar keinen Besser als ein „Reim dich oder ich schlag dich“, so wie etwa in dem Madonna-Beispiel.

    Auch Corey Taylor (Stone Sour/Slipknot) schreibt wunderbar poetische Lyrics:
    „Ignoring your history
    is killing your past
    you might run forever
    if death never lasts “
    Ich finds jedenfalls gut, im Kontext kommts noch etwas besser(ist aus „Do me A Favor“ von Stone SOur)

    Insgesamt finde ich aber, dass man bei aller poetik den eigentlichen Inhalt nicht vergessen sollte. Billy Talent etwa schreiben Texte, die ich keinesfalls als poetisch einstufen würde, aber gerade die neueren Sachen treffen einfach klare Aussagen und sind deshalb meiner Meinung nach auch gute Texte.

    So, das ist ein bischen Input von mir. Ich fand die Folge aufjedenfall super und hätte nichts gegen eine Weitere über Songtexte.

    Grüße & Rock on
    Chrysostomus

    P.S:
    Habe gestern noch die Gitarrenpodfolge über „Paula vs Strat“ gehört, Meine Meinung:
    Die beste Form ist die Flying V ;)

  2. ArcticA Apr 3, 2013

    Ich möchte anmerken, dass ich es absolut indiskutabel finde, so lächerliche Inhalte/ Formulierungen, wie die indizierten Ärzte-Sachen mit Dem zu vergleichen, was beispielsweise Buschdiebo so zu Protokoll gibt.(„ich stech dir in den Hals, brech in deine Wohnung ein und ficke deine Mutter!“ oder so ähnlich ging das…)
    Das mit der provokativen „Separationswut“ der Jugendlichen zu „legitimieren“ ist eine völlige Verkennung der Dinge und zeugt für mich davon, nicht zu wissen, wovon man spricht.
    „Die Boote der Jugend“ ist ein zeitloser Song von den Puhdys, bei dem ich nicht zum ersten mal hierüber nachdenke, dass der Text wohl nicht mehr für das steht, was heute streng genommen auch damit legitimiert werden müsste.(und was noch kommen wird)

    Es gibt Unterschiede, die keiner akurat ausformulierten, Definitionshöchstleistung und keiner Berechtigungsdiskussion bedürfen, um als „unakzeptabel“ zu gelten.
    Musik ist mMn keine unbegrenzt harmlose Kunstform, in der alles erlaubt sein muss. Wenn schon philosophisch unbeweisbar, dann einfach schon aus der Tatsache herraus, dass jedes kleine Kind die volle Dröhnung ziellose Verachtung allen Lebens und mehr dergleichen auf dem Silbertablett serviert bekommt – ja sogar in den Kopf gestopft bekommt.

    Und Rammstein brauchen niemanden, der für sie gegen die Kritiker verteidigt. Die sind so bekannt, dass mehr als genug Leute die zweifellos hervorhebenswerte Qualität diverser Texte bemerkt haben dürften…

    Xavier N. ist übrigens für mich auch ein Pseudointellektuellschwafler.., der auf zumeist banalen, musikalischen Geplänkel-Flößen dahinschippert, um seine ungesunden, verbalen Chemikalien in die Radiomeere zu schwemmen…
    Bei den ganzen Hits is sicher auch mal ne ganz brauchbare Zeile zu finden, aber naja, was solls.. ich werd seine Fans nicht umstimmen.

  3. Karsten Apr 3, 2013

    Guter Pod !!

    Zum Thema Deutsche Bands mit englisch sprachigen Texten will ich mal die Scorpions erwähnen. Die hatten einen riesigen Erfolg in den USA mit der Musik. Die Texte sind definitiv nicht poetisch.

    Also frag ich mich warum ein Text immer eine poetische Botschaft haben muss und Leute zu bewegen. Geht es bei Musik nicht eher um das Gesamtwerk.

  4. ArcticA Apr 3, 2013

    „A la la la la long, a la la la la long long li long long long

    C’mon“

    Wenn das nicht poetisch ist, weiß ich auch nich…

    Was ich eigentlich sagen wollte:

    Scooter sind doch international erfolgreich, wenn ich nicht irre. Die Texte sind hochgradig simpel u kommen oftmals sogar ohne Strophen oder Refrains aus.

    – Fire!!!!!

    – Hyper Hyper!

    – by the way, how much is the fish?!

    – Faster, harder, Scooter!

    – I wann´e fuck…. I wan´e fuck… FUCK THE MILLENIUM!

    Ist vermutlich das lyrisch wertloseste, was aus Deutschland kommt und andersprachigen Zuhörern gefällt.

    (Ich find Scooter auch gut :P)

  5. Jürgen Bromant Apr 3, 2013

    Vor allem im deutschsprachigen Raum wird oft der Fehler gemacht, Texte wie Mathematikaufgaben zu behandeln.
    Unter dem Motto:
    „Hier ist der Text mit seinen Metaphern, entschlüssele sie, dann hast Du die Bedeutung.“
    Das ist ein Trugschluss! Es gibt durchaus abstrakte Texte, die auf einer anderen, viel direkteren Ebene funktionieren und eine Stimmung, ein Gefühl vermitteln ohne dass eine direkte „Übersetzung“ möglich bzw. sinnvoll wäre.
    Leider machen diesen Fehler auch viele der gängigen deutschen Bands – deshalb klingen deren Lieder dann auch wie aus dem Poesiealbum.

  6. Gnostik Apr 3, 2013

    Eine meiner absoluten Favourite-Lines eva:

    Wir sind durchs Wasser gegangen und nicht nass geworden
    Ihr habt uns zwanzig mal gesteinigt und wir sind nicht gestorben
    Wir ham im Kühlschrank übernachtet und wir sind nicht erfrorn
    Wir ham schon tausend Mal gespielt und noch nie verlorn
    Wir sind ein Dorn im Auge unseres Feindes
    Weil jedes Wort wahr und ausserdem gereimt is
    scheint es, wie Zaubererei Zauberei
    Wenn ich das Mikro nehm und unsern Namen schrei

  7. Sehr Interessante Folge – aber ich muss sagen ich war ein wenig überrascht dass ihr Nirvana’s Welthit nicht wirklich interpretieren konntet. Smells like Teen Spirit heißt eigentlich dass, was es wörtlich übersetzt heißt: Es riecht nach dem Geist der Jugend… Auch wenn das besagte Parfum als geschickte Doppeldeutigkeit verwendet wurde… Der Text stellt aber diesen „Geist der Jugend“ auch in abstrakter Form dar. Scheinbar sinnlose Aneinanderreihungen von Sätzen beschreiben mehr oder weniger einen Event/Abend/Nacht/Feier unter Freunden… Die paradoxen Aussagen, wie „It’s fun to lose…“ Oder “ I’m worst in what I do best“ beschreiben das zerrissene Lebensgefühl der Grunge-Bewegung oder der sogenannten Generation X.

    Interpretation ist zwar per se subjektiv, doch wenn man sich mit den Songs/Bands/Acts länger beschäftigt, wird die Intention des Künstlers/Autors meist klar…

    Also kurz gesagt „Smells like Teen Spirit“ ist eigentlich folgendes:

    Eine Momentaufnahme einer (betrunkenen) Clique in Zeiten des Aufruhrs. ;)

    Gerade dieser Song beschreibt übrigens auch etwas, was ich der Diskussion vermisst hatte. Ein Text kann ebenso wie die Musik auch nur ein Gefühl vermitteln – eben auch oder gerade wenn der Text semantisch keinen Sinn ergibt. Das ist übrigens das Geheimnis vieler englischen Texte…
    Male Gefühle mit Worten…

    • Jürgen Bromant Apr 5, 2013

      Genau das meinte ich! Ein Songtext ist keine Matheaufgabe. Es geht nicht darum, die Metaphern zu enträtseln, um dann ein klares „Ergebnis“ zu haben.
      So wird es einem im Deutschunterricht beigebracht, aber im Grunde bekommt man auf diese Art und Weise keinen richtigen Zugang zu den meisten Songs.
      Gerade bei Liedern wie „Smells Like Teen Spirit“, geht es vielmehr um den Ausdruck, um das Gefühl, das beim Hören entsteht. Da gibt es etwas, das man versteht, ohne zu wissen was „Teen Spirit“ eigentlich ist.
      Bei vielen Künstlern wie z.B. Bob Dylan oder John Lennon merkt man dies auch sehr stark – sie „malen“ mit Worten, wie ein Maler mit seinen Farben.

  8. Egon Schmidt Apr 5, 2013

    ständig geladen doch Akku leer,
    Alleine ist die Last zu schwer,

    (wer hat Nicht auch schon soo gefühlt)

    Du bist alleine lang gelaufen im Wald,
    (wer ist das nicht auch schon öfter gemacht)
    abgekapselt im dunkeln wie Astronauten im All.
    Du fällst von ausserhalb der Atmosphäre zum,
    Meeresgrund und keiner weckt dich auf vor dem Knall.

    Ich will nur ein Blick aufs stille Meer,
    und würd alles dafür geben auch wenns mein allerletzter Wille wär,
    Ich will nur ein Blick aufs stille Meer,
    doch bei der Flut an Gedanken herrscht keine Stille mehr.

  9. Henning Apr 24, 2013

    Bitte macht so was bitte nicht mehr … hab erst gedacht das ist alles ein April Scherz .. aber als ihr nach 30 min immer noch aus dem Zusammenhang gerissenen Phrasen analysiert habt .. was heißt analysiert … (das hätte ja eine wissenschaftliche-sprachliche Untersuchung der songtexte erfordert) sagen wir diskutiert habt …. GUT ich hatte das Gefühl Matthias hielt das auch fürn Witz.

    p.s. „gebohren um zu Leben“ — das „leben“ kann sich auch darauf beziehen das man mehr möchte als schlicht zu existieren also Leben/Feiern/etwas tun …. im Sinne .. born to be alive … wie in diesem klassiker

    p.s.s. Carlos, wenn dir mal wieder kein gutes Thema einfällt frag doch einfach den Chat — die haben meißt ziemlich gute Ideen.

  10. Raphael Apr 30, 2013

    Muss ein Text poetisch sein?
    Ich denke, wenn man mal die Formatradios hoch und runter hört, dann stellt man schnell fest, dass im komerziellen Bereich sehr viel „mentaler Dünnfiff“ in Textform daherkommt. Von daher nehme ich Texte ansich sehr lax und gehöre auch zu jenen Leuten, die die nur dann wahrnehmen (auch in meiner Muttersprache), wenn ich mich wirklich auf sie konzentriere.
    In englischsprachiger Musik (oder auch andere Sprachen) kommt dann noch dazu, dass die meisten eh den Text nicht verstehen, weshalb der Text dann auch in gewisser Weise „belibig“ sein kann. Von daher denke ich umso mehr, dass man da die Messlatte nicht zu hoch setzen sollte.

    Weiter…
    was ist bitte pseudointellektuell? Ich mein…jau, ich weiß schon was das ist. Aber wer bestimmt das bitte? Schlussendlich ist das doch nur eine relative Sache. Was für den einen schon hochphilosophisch anmutet ist für den anderen Platt wie ne Schüssel Reis.
    Daher denke ich, dass man mit solchen Urteilen ein wenig vorsichtig sein sollte.

    In der Tat finde ich es auch ein wenig kritisch (wie oben schon erwähnt) einzelne Zeilen aus einem Text herauszunehmen. Man sollte stets den Kontext beachten. Und ob was SInn gibt oder nicht, das ist aufgabe der Ambivalenz, die der Sprache innewohnt und dafür sorgt, dass man einen Text interpretieren kann. Es dürfte auf der Hand liegen, dass ein Telefonbuch oder ein Fahrplan der DB diese Ambivalenz nicht inne hat und man den dann wohl auch nicht interpretieren kann…

    Ich finde im Übrigen auch interessant, dass die Beatles oder Elvis in den frühen 60er ihre Lieder auch in Deutsch eingesungen haben, da Deutschland der zweitgrößte Musikmarkt hatte (!!!). Umso mehr verwundert mich, dass die deutsche Sprache von vielen nach wie vor so stiefmütterlich im Liederschreiben behandelt wird und auch gerne mal als unmelodiös abgetan wird…dabei ist es doch nur Gewöhnungssache, oder?

    • Jürgen Bromant Mai 1, 2013

      In den 60ern haben sehr viele Künstler ihre englischsprachigen Hits auch auf Deutsch eingesungen. Neben den Beatles gibt es auch deutsche Songs von den Beach Boys, Johnny Cash, den Supremes, Roy Orbsion, Cliff Richard, Paul Anka, Marvin Gaye, den Everly Brothers uvm… alle mittlerweile versammelt in der famosen CD Serie „Tausend Nadelstiche – Amerikaner und Briten singen deutsch“.
      Nach einer Weile hat man die Masche aber drangegeben, weil außer den Beatles kein anderer Act damit große Erfolge feiern konnte.
      Unfreiwillig komisch sind diese Machwerke aber allemal. ;-)

      • Raphael Mai 1, 2013

        Haben Manowar vor einigen Jahren nicht auch so ein Dings gemacht, wo die einen Song in mehr als 10 Sprachen eingesungen hatten? Die Komik daran: Wenn man sowas höre wie „Bruder des Metalls lass uns kämpfen …“ dann doch lieber die englische Variante, wo man „brothers of metal…“ auch gekonnt ignorieren kann :-D

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